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The Red Masque "Feathers For Flesh" (Big Balloon Music 2004)
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Die Variationsmöglichkeiten progressiver Musikkultur sind unbeschränkt. Kaum habe ich "Feathers For Flesh" das erste Mal gehört, weiß ich, dass der Horizont unerreichbar ist. Musik hat kein Ende. The Red Masque machen das mit ihrem dritten Album einmal mehr begreiflich. Die Mischung aus Avant Rock, Symphonic, Gothic, Folk, collageartigen Sound-Einwürfen und horrormäßiger Düsternis prägen die Songs auf ganz eigene Weise. Die Musiker gehen tief ins Konzept ein, keiner der Involvierten sticht besonders hervor, vielleicht abgesehen von Sängerin Lynnette Shelley, die mit ihrer Stimme Dimensionen erreicht, die Gilli Smyth, Catherine Ribeiro und Björk vorgezeichnet haben, in einer Einigkeit und Ausdrucksstärke, die ihresgleichen sucht. Dennoch steht der Gesang nicht über der Musik. Kiarash Ememi als Mr. Roboto spielt Gitarre und Keyboards, Brandon Ross als Lord Misanthrope Bass, Gitarre und Keyboards und Vornorn Schlagzeug, Percussion und allerlei sonstige Instrumente. The Red Masque sind mit keiner weiteren Band zu vergleichen. Natürlich haben ihre Songs gewisse Ähnlichkeiten zu anderen Bands, wo ist das nicht der Fall. Hier könnte man etwa Devil Doll und The Art Bears heranziehen, ohne damit der Band wirklich gerecht zu werden. Die Kompositionen sind sehr gelungen, trotz aller Gewöhnungsbedürftigkeit harmonisch und lebendig. Die Songs sind teilweise stark aufgesplittert, da erinnert mal ein Part an Thinking Plague, dann wieder könnten Blackmores Night (lässt man mal die Schlagersüße weg) Inspiration gewesen sein, schließlich kann nach der nächsten Kurve nur King Crimson Pate gestanden haben. Höchstwahrscheinlich, nein, sicherlich hat keine der genannten Bands tieferen Einfluss auf die Hörgewohnheiten der 4 Musiker, dazu sind ihre Ideen zu eigen, zu abstrakt, zu stark und konkret. Die über allem stehende Düsternis ist teilweise arg beängstigend, wenn sphärische Keyboardflächen lange Disharmonien gebären, während Gitarre, Bass und Schlagzeug einen mörderischen Avant Rock fahren, dass es einem die Ohren wegbläst. Für die Eigenständigkeit und den Eklektizismus kann die Band nicht genug gelobt werden, zudem für ihre äußerst progressiven abstrakten Melodiemuster, die längst nicht anstrengen, sondern amüsieren und unterhalten. Die 3 ersten Songs gehen deutlich über 10 Minuten hinweg, das sind auch die starken Rocker der CD. Das anschließende 9minütige "Beggards & Thieves" ist eine ungewöhnliche Folkballade, für diesen Zusammenhang sehr harmonisch und geradezu lyrisch. Zum Schluss gibt es noch eine kurze, extrem düstere Notiz. "Scarlet Experiment" ist nur gehaucht, mit angerissenen Tönen und Gejaule im Off, rhythmische Notizen und plötzliche Miniorgien bringen den Horrorfaktor, dieser Song mit seinen knappen 4 Minuten ist grad frisch aus der Hölle importiert worden, sehr befremdlich und ungemein schön! Im übrigen sind die Texte im Booklet abgedruckt, da ist schnell zu erkennen, dass zwar kein überschwänglich fröhlicher Geist die Zeilen verfasst hat, aber auch niemand, der mit dem Höllenhirt angebandelt hat. Die Düsternis der Musik setzt sich in den Texten fort, intensiv und poetisch, aber mehr als Poesie ist es doch nicht. Ich kann die CD nur empfehlen. Für Avant Rocker Pflicht, sollten auch mutige Progheads und Jazzrocker in die CD hören. Der Überraschungen sind viele!
theredmasque.com
bigballoonmusic.com
VM
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