Robert Calvert "Captain Lockheed and the Starfighters" (United Artists 1974/Atomhenge 2009)

Schön, im Jahr 2009 als irgendwie deutscher Erdenbürger die Karikatur des 1958er Franz Josef Strauss zu hören, der hier justament als Luftwaffenboss seine Crew runtermacht, als wäre er noch der von 13 Jahren früher. Schicker Beginn dieser fast schon punkigen Space Rock Oper, die der damalige Hawkwind-Mitarbeiter Robert Calvert (R.I.P.) mit seinen Bandkollegen 1974 einspielte. Es gibt viel monotones Gedröhn, heftige Riffs, bedrückende Schleifen, die immer wieder um ein und dasselbe Thema kreisen, Spacerock-Blubberblasen erfinden und die Opernstory in ausführlichen Gesangs- und Sprecharrangements präsentiert.
Dieses Album wie das ein Jahr später veröffentlichte "Lucky Leif And The Longships" waren zwar schräge, abgefahrene Stories mit fettem Rock, aber weitaus weniger erfolgreich als Hawkwind, was zum einen daran liegen mag, dass die harten Rocksongs kurze Schnipselware sind, von der steten Story, die als Hörspiel viele Minuten zwischen den Songs einnimmt, geschnitten und längst nicht die kompositorischen Finessen erkennen lässt, wie dies die Hauptband tat.
Dennoch gibt es natürlich einiges Interessante zu entdecken. Lemmy war noch mit dabei, was den heutigen Nachwuchs irritieren mag - was, so was hat der einstmals gemacht?!? Synthesizer hauen spitze Töne in die Songs, Saxophone kratzen die Stimmung auf, die nervöse Rhythmuscrew donnert heftig voran, stets monoton, aber darin mit vertrackter und gut "arbeitender" Struktur. Im Booklet ist die Geschichte zur Platte nachzulesen, von Comicbildern untermalt, immer wieder einmal ist Germany zu hören, auch mal was über Hamburg, der schräge Witz der Story, deren Text im Booklet abgedruckt ist, hat seinen schwarzen Humor.
Es gibt drei Bonustracks, die ‚Extended Version' von "The Right Stuff", um fast 4 Minuten auf über 8 gewachsen, und zwei Singleversionen von LP-Songs. 17 Stücke waren auf der Platte, 20 sind es jetzt. Robert Calvert erlebt diese (nicht erste) CD-Auflage seines Albums nicht mehr. Bereits Ende der Achtziger Jahre ist er verstorben.

atomhenge.com
hawkwind.com
VM



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