Roger Matura "Follow Me Down To Chesil Bay" (Ozella Music, VÖ: 27.02.2009)

Über allem weht ein lauer Abendwind. Die Songs fließen dahin, kaum dass man spürt, entführt zu werden. Macht das Licht aus und lasst die Schatten zerfließen. Die akustische Gitarre wird von diversen Folk- und Rhythmusinstrumenten begleitet, einige kräftige Motive ringen sich herzhaft und vital elektrisch durch. Roger Matura kann seine Songs laut werden lassen, ohne ihnen aber die Stille zu nehmen, diese epische Note, die nachdenkliche Atmosphäre und lyrische Intimität, die sie auszeichnet.
"Follow Me Down To Chesil Bay" dankt Titel und Inspiration dem Roman "On Chesil Bay" des britischen Autors Ian McEwan, eine ganz eigene Stimmung aus der Inspiration ziehend und Songs, Musik daraus zu basteln, die keine Stilgrenzen kennen und quer durch Folk und Rock, Schlichtheit und Komplexität schippern, ohne irgendeinen Gedanken daran zu verschwenden, nachvollziehbar, eingängig oder leicht zu sein - oder der Geschichte aus dem Vorbildroman zu folgen.
Die Songs sind leicht. Dauert nicht lange, und ihr könnt mitpfeifen. Eine ganze Armada an akustischen und elektrischen Instrumenten haben ihren Klang gespendet, "Follow Me Down To Chesil Bay" so rund und erregend klingen zu lassen, wie die Platte sich von Track zu Track abspielt.
Gut, manches dabei, was nicht hätte sein müssen. Etwa der stupide Rhythmus unter "Raincoatman", der die ganze Note versaut. Gerade manches Rhythmusmotiv ist etwas blass und fahl. Aber das sind nur marginale Punkte, zumeist überrascht die CD. Vor allem, wenn nach einer linden Nummer wie "ATTAC" ein uralt klingender Rock'n'Roll stolpert, der sich kaum traut, in dieser Umgebung laut genug zu sein, und noch Rock'n'Roll zu sein. Herzhaft. Blumig. Aber kein Kitsch. Die Schräglage macht ihn urig.
Noch beim dritten Hören und später immer wieder denke ich, wie außergewöhnlich die Platte ist. Selten, dass diese Art Musik, bis auf einige kurze wenige Ausnahmen, deren Singsang wohl eher der emotionalen Hingabe dankt, komplett instrumental ist. Die ganzen 77 Minuten und 18 Songs über kaum Stimmen, kaum laute oder wilde Soli, alles zieht seinen Dampferweg, die Räder schnaufen, das Getriebe rattert, der Kapitän hat seinen Rum und die Seemänner rauchen Zigarren. Ganz persönlich: instrumental ist mir diese Art Musik sowieso lieber, als würde zu den urigen Klängen der Instrumente ein nörgelnder Bänkelsänger seine Weltenklage von der Bühne werfen und allen feinen Klang verdrängen.
Keine Stimmen, einfach nicht. Dafür Geige, Gitarre, Orgel, Akkordeon, Saxophon, Sitar, Flöte - und viel mehr - und jede Menge Perkussion. Gar Marimba, allerdings sehr wenig und leise. Davon mehr bitte!
Schönes Album, leise, instrumental, oftmals mit Lagerfeuerromantik, dann mit plötzlichen Ausbrüchen oder eigenwilligen Ideen, die längst nicht um ein kleines Feuer passen. Schick und gut!

ozellamusic.com
VM



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