Sarax "Ejecución" (Cantera Production 2000)

Südamerikanische Progressive Bands sind im allgemeinen symphonisch-melodisch, oft neoprogressiv - und immer leicht kitschig. Nicht die Bands aus Chile. Wie Tryo musizieren auch Sarax sehr düster, dramatisch und von Metal bis King Crimson beeinflusst. Der Opener "Vatkrakis" - auch als Video in zwei Formaten auf der CD - zeichnet denn auch als quasi Single-Auskopplung die Musik der ganzen Platte vor. Metallische Gitarren, schräge Arrangements, "fehlerhafte" Noten, avantgardistische Überfälle, amelodische, atonale Bereiche. Mit einer unglaublichen Sicherheit lebt die Band ihr Gespür für ausgefallene, abstrakte Kompositionen aus. Mitten im Song brechen streitende Stimmen hervor, Schüsse fallen, die Instrumente verstummen und Geschrei, Polizeisirenen und plötzlich einfallendes Punk-Gedresche machen Tod, Zerstörung und Chaos zu Musik. 14 Songs, allesamt eher sehr kurz, gehen ineinander über und entwerfen ein düsteres Bild. Zwar sind viele Stücke rein instrumental - und immer dann entwirft die Band progressive Strukturen - doch Stimmengewirr und grausiges Geschrei greifen immer wieder in die Songs. Doch auch ruhige Momente können Sarax geschickt einflechten. Von "Delirio De Krinia" bis "Bruma" - scheint eine andere Band zu musizieren. Auch hier häufen sich atonale und beunruhigende Töne, aber der komplette Aufbau hat plötzlich eine viel heitere, melodische Seite. Melancholisches Piano, Donnergrollen und JazzMetalGitarre greifen schließlich die Harmonie auf, um sie in bester King Crimson Tradition avantgardistisch zu beenden. "Engranje" endlich ist fröhlich: ein Vibraphon gibt die Melodie vor, wie auf einem Bauernhof klingt es, als Tiere ihre Laute aus den Boxen stoßen. Doch leider wird dieser letzte Song übel nach einer Minute ausgeblendet. Abgesehen davon ist Sarax für alle Freunde abstrakten, heftigen und vor allem avantgardistischen Progressive Rocks eine gute Herausforderung.

www.sarax.net
VM



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