|
SBB "The Rock" (Metal Mind Productions, VÖ: 26.11.2007)
|
Die polnische Legende hat tatsächlich ein neues Album eingespielt. Kann das gut gehen? Ist das klug? Noch immer und wieder sind Józef Skrzek (b, keys) und Apostolis Anthimos (g) die beiden Köpfe der Band, die Hierarchie in genannter Reihenfolge. Am Schlagzeug gab es einen erneuten Wechsel. Der alte, legendäre Mordsdrummer Jerzy Piotrowski ist längst nicht mehr dabei, nach ihm kam Miroslaw Muzykant, der Mann mit dem richtigen Nachnamen, schließlich nach nur zwei Jahren Paul Wertico, der durch seine langjährige Mitarbeit in der Pat Metheny Group bekannt wurde. Heute sitzt Gabor Nemeth am Schlagzeug, früher hat der Ungar den Bands Scorpió und P. Mobil die Trommelfelle bearbeitet.
SBB haben bereits etliche Felder bearbeitet. Bluesrock, Heavyrock, Progressive Rock, Symphonic Rock, Jazzrock - überall haben SBB ihre eindrucksvollen tiefen Spuren hinterlassen. In den letzten Jahren war die Band sehr fleißig gewesen. Sämtliche Alben wurden digital remastert und um eine schier unübersichtliche Fülle von Bonusmaterial neu veröffentlicht. Nach der 22-CD-Box (!) "1974 - 2004" folgten zwei 9-CD-Boxen, "Lost Tapes Vol. 1 und 2" mit Konzertaufnahmen aus den Jahren 1971 bis 1979 mit unterschiedlich gutem Klang, das Gros jedoch erstaunlich gut aufgezeichnet.
Nachdem diese aufwändige, Zeit fressende Arbeit endlich geschafft war, begab sich die Band ins Studio, das Album "New Century" einzuspielen. Im Anschluss folgte eine 20-CD-Box, natürlich, mit dem kompletten Solomaterial Józef Skrzeks (viel Elektronik, Filmmusiken, etc.).
Und weil noch Energie übrig war, ging das frisch renovierte Trio erneut ins Studio, das jüngste Album "The Rock" einzuspielen. Darauf sind 9 Songs enthalten. Die etwas nostalgisch klingenden, melancholischen, nachdenklichen Tracks erinnern entfernt an die alte Band, sind aber, wie schon "New Century", ganz anderen, modernen Geistes. Zum einen gehen SBB ihre Ideen heute viel langsamer und leiser an, drücken nicht mehr auf die Tube, spielen keine komplexen, keine dieser extrem bombastischen Orgien, für die sie in den 70ern standen. Obschon es keine Idee von Pop auf "The Rock" gibt, sind die Songs doch leicht verständlich und eingängig, zudem viel schlichter als alles, was die Band zuvor je veröffentlichte. Die schwermütige Stimmung bleibt quasi das ganze Album über erhalten, selbst in den etwas flotteren Tracks. Lange Soli oder wilde Instrumentalschlachten sind vergangen, geblieben sind zarte Noten und wohl kreierte Harmonien, manches klingt fast folkloristisch in seiner elektronisch ambienten Natur. Gesungen wird in polnisch, englisch und im letzten Track partiell auch ungarisch.
Vielleicht ist "The Rock" die altersweise, kühle, gereifte Musik der einstigen Silesian Blues Band. 36 Jahre Bandgeschichte plus die Zusammenarbeit mit Czeslaw Niemen und etlichen weiteren Künstlern haben SBB geprägt. Dieser persönliche Stil ist immer noch zu hören. Und sicherlich, nicht erst im vorletzten "Akri" nutzen SBB die 7 Minuten für ein Ravelsches Bombastmotiv, das sich aus der Stille erhebt. Als Handwerker sind die Instrumentalisten perfekt, Dynamik und Ausdruck der Songs sind wohl ausgebildet. Die Fans werden die Band und ihre Songs als Spiegel ihrer selbst sehen. So alt geworden zu sein zeigt Würde. Und die ist in den ausgeglichenen Gesichtern der drei Musiker zu finden. Doch auch die Musik ist alt geworden, müde. Hat zwar Energie und den Geist der großen Rockmusik der 70er Jahre, kann auch noch, mit zwei zugedrückten Augen und guter Laune als Progressive Rock gelten. Zeigt aber eines ganz deutlich: die beste Zeit dieser genialen Truppe ist längst vergangen.
Die CD wird in zwei Versionen angeboten. Als reguläre CD sowie als Digipack mit zwei Bonustracks. SBB gehen nach Veröffentlichung der CD auf Tour in Polen, während der sie auch in der traumhaften Kulisse des klassischen Wyspianski Theaters in Katowice auftreten werden - nicht nur, um dort die nächste geplante Veröffentlichung einzufangen, die Konzert-DVD zur CD.
sbb.pl
metalmind.com.pl
VM
Zurück
|
|