Serpentina Satelite "Nothing To Say" (Trip in Time 2008)

Aldo Castillejos (dr, perc), Felix Dextre (b, voc), Flavio Castillejos, Dolmo (g) und Renato Gomez (g, voc) sind Serpentina Satelite. Die Peruaner nennen ihr Album "Nothing To Say" EP, und nicht LP, obschon die 5 Songs zusammen 48 Minuten lang sind, aber das hat für die Band mit der Vorliebe für ausgefallene, epische Songs noch längst keinen "Longplayer"-Status.
Spannend und wie ein schweres Mühlenwerk mahlend beginnt das neunminütige "Nueva Ola". Das psychedelische Motiv erinnert dezent an die frühen Longtracks von Pink Floyd, entfernt. Es "passiert" in dem Song wie in den folgenden Stücken vordergründig wenig, keine unterhaltenden Komplexe bringen die Note auf Länge. Es ist die Intensität der Komposition und die handwerkliche Geschicklichkeit, alles heraus zu holen, tief in das Motiv einzutauchen und eine mäandernde Spannung zu erzeugen, die technisch und emotional auf hohem Level für aufregende Unterhaltung sorgt.
Der Titelsong im Anschluss rockt härter, rotziger. Dreckige Gitarrensounds schrappen durch die sieben Minuten, von einem nervösen Rhythmus untermauert und dem verhallten Gesang beschwört. "The Last Drop" klingt fast wie Doom, zwar in der heutigen Zeit eingespielt, hat der Song dennoch nur den Zeitgeist der späten Sechziger im Visier, was Doom daran ist, dröhnt aus der Rhythmusgitarre. Guter Mix.
"Madripoor" könnte die Auskopplung sein. Schnell, kurz, heftig, psychedelisch, wild, gefährlich und verspielt. Kracht, poltert und wirkt. Und dann kommt "Kommune 1". Keine deutsche Band nennt ihren Song so, sondern diese aus Lima, Peru. Da hat sich eine Philosophie und Lebenseinstellung exportiert und in die Musiker gefressen, die sie antreibt, diese alten, neuen Psychedelic Rock Sounds zu erzeugen.
Nie sind Serpentina Satelite technisch, nichts an ihren Songs ist ausgeklügelt komplex oder knifflig arrangiert, sie lassen die virtuosen Ideen wie schwere Schallwellen in die Weite boxen. Die Wirkung ist einzigartig. Zwei Seiten hat jede Sekunde. Diese schwebende Leichtigkeit innerhalb des epischen Flusses und die nervöse Hektik, die diesen Fluss vorantreibt. Kratzige Düsternis hüllt die Ideen der Band ein, ahnungsvolle Schwere, die dem Album, der EP, eine mystische, unergründliche Note gibt. Psychedelisch!

VM



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