Sky Cries Mary "Space Between The Drops" (Trail Records 2009)

Nicht ‚Wind Cries Mary', nicht Jimi Hendrix und nicht dessen Inspiration stecken in "Space Between The Drops", obschon mich der Bandname nur daran immerfort erinnert. Wer sich auf diesem Planeten nach Jimi Hendrix den Bandnamen Sky Cries Mary gibt, muss damit rechnen, entsprechende Assoziationen zu wecken.
Sky Cries Mary kommen aus Seattle. Ihr Sound ist liedhafter Psychedelic Trance Rock. Die um die 5 (zwei Tracks sind 8, einer 14) Minuten langen verspielten Songs sind tanzbar und gleichzeitig experimentell. Ein düsteres No Wave Echo steckt den Songs in der DNA, eine Spur Gothic und jede Menge Dancefloor - letzterer allerdings für Normalverhältnisse vertrackt und radikalisiert, was aufgefaserte Struktur und ungewöhnliche Melodisierung betrifft.
Mancher Song klingt wie ein Mix aus Trance, Minimal Music, Rock und Worldmusic, in den sphärisch elektronischen Instrumentalbauten stecken etliche (lautmalerisch) vokale und melodische Folkfetzen, als Ergänzung zum Popsänger, der in Singer/Songwriter-Manier mit geflissenem Lou Reed - Touch arbeitet. Sprich: die Band spielt anspruchsvolle Songs fürs Tanzbein mit psychedelischem Flair und rhythmisch eingängiger Vertracktheit.
Für Soundfetischisten ist "Space Between The Drops" eine Orgie: wie ein jeder Ton sitzt, von satten Tiefen, klaren Höhen und schmalen Mitteltönen elegant ausgewogen, jedes Instrument und jedes Echo eindrucksvoll zu seinem Erlebnis bringend, ist grandios. Die Kompositionen an sich sind nicht sonderlich anspruchsvoll, eher schlicht und eingängig. Wie die Band aber mit vielen Sounds und Samples, Stimmen und vitaler Instrumentalarbeit lebhafte Kunst draus macht, ist enorm. Die Rhythmusabteilung kann komplex und einfach, der Bassmann spielt versiert melodisch und bringt mit seinem Spiel viel Farbe in die Songs, macht den Klang volumig, ohne lediglich zu wummern. Die Gesangsabteilung übersetzt die schöngeistige Atmosphäre fürs (nicht figürlich) breite Massenvolk, von der Keyboardabteilung inspiriert aber zielorientiert unterstützt.
"Four AM", 14:47 Minuten lang, ist die Überdosis der CD. Der Track lebt elektronisch ambientes Klima, hat schmeichelhafte Harmonien und illuminative Keyboardfantasien satt und eine Bassmelodie, die geadelt gehört. Wenn die anderen Songs auch eher so was wie die Progressivirisierung von Radiopopsongs sind, so ist dies Klangfläche zur inneren Entspannung für Harmonieliebhaber. Beeindruckend und nix blöd. Der nach drei Minuten einsetzende Rhythmus bleibt erst unterschwellig, bis sich - mit der elektrischen Gitarre - peu á peu ein tief melancholisches Pink Floyd Flair durchsetzt. Da beweist sich ein süchtiger Fan als kreativer Kopf im gleichen Geiste. Unter den folgenden Songs sind zwei, die in der "Extended" sowie der "Remake" Version aufgelistet sind, ohne dass diese Tracks ein zweites Mal, also etwa in der "Normal" Version dabei wären. OK!
Zum Schluss setzt sich in "Missing", das mit 5 Minuten auf dem Backcover aufgelistet ist, im Player aber über 10 Minuten anzeigt, noch einmal ambiente Klangkunst durch, die jedoch zu Pop mutiert (nur der Bass ist genial!), einen Hauch Miles Davis (der 80er) in seinem kleinen Trompetenmotiv aufführt und nach einer minimal kurzen Pause einen folkigen Popsong gebiert, der die CD im Stil der Poems For Laila (nur nicht so gut) akustisch liedhaft zu Ende bringt.
Interessantes, durchwachsenes Werk, facettenreich. Ambitionierte Popfans werden viel Freude mit Sky Cries Mary haben und eine leichte Ahnung davon bekommen, was in der offenen Weite hinter stilistischen Grenze möglich ist.

trailrecords.net
skycriesmary.com
VM



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