Taylor's Universe "Pork" "Oyster's Apprentice"
Taylor's Free Universe "File Under Extreme"
Robin Taylor "Heart Disc"
Robin Taylor "Samplicity" (Marvel Of Beauty Records)

Der Komponist, Multiinstrumentalist, Arrangeur, Produzent und Labelinhaber Robin Taylor hat etliche CDs veröffentlicht. Der Kopenhagener ist Autodidakt. Mit 12 begann er Gitarre zu spielen und in den 1970ern war er hauptsächlich Bassist in verschiedenen dänischen lokalen Rockbands, experimentierte mit Tapes und erkundete allerlei Sounds. 1978 hatte er sein Radiodebüt.
1988 traf Robin Taylor auf den Keyboarder Jan Marsfeldt, mit dem er 1991 sein Debüt einspielte. 1993 wurde Taylor's Universe gegründet. Bis heute arbeitet Robin Taylor mit verschiedenen Musikern zusammen, feste Zusammenarbeit findet er in Taylor's Free Universe mit Pierre Tassone (vi, electr), Karsten Vogel (saxes, key), Johan Segerberg (b, electr) und Kalle Mathiesen (dr, samples).
Financial support??? You must be joking!!! steht im Booklet von "File Under Extreme". Da Robin Taylor weder finanzielle Unterstützung noch ein Label für seine diversen Veröffentlichungen gefunden hat, begründete er sein eigenes Label Marvel Of Beauty. Und so sind sämtliche Produktionen ganz und gar eigene Werke. Sicher gibt es keine dicken Booklets, doch das Layout jeder CD ist ansprechend und bietet die notwendigen Informationen. Wer weitere Informationen wünscht, wird im Internet fündig, der Link dazu ist weiter unten auf dieser Seite zu finden. Einige Taylor Alben sollen hier in der Folge vorgestellt werden. Stilistisch sitzt Robin Taylor zwischen allen Stühlen. Jazzrock, ambiente Sounds, Avantgarde Rock, Progressive Rock. Die Betonung liegt stets auf Rock, manche Songs beziehungsweise Alben sind jedoch stark Jazz- als auch Avantgarde-inspiriert, es finden sich esoterische Parts, sowie Lyrisches, das als Pop bezeichnet werden kann. Die beiden Pole Stille und Lärm sind bei Robin Taylor weit aufgespannt.
"Pork" (1996) ist ein radikales Werk, ethnische Gesänge fließen in Popjazz, Hardrock trifft auf abstrakte Keyboardharmonien, ambiente Sounds untermalen rhythmische Flächen. Besonders auffällig ist der exotische Kreischgesang von Jytte Lindberg, der als Gegenpol zur harmonischen Struktur der Songs für die nötige Portion Disharmonie sorgt, aber eher leise in die Songs gemischt wurde und als "schräges" Solo durchgeht. Die vielen mitreißenden kompositorischen Ideen und grandios technisches und emotionsreiches Spiel machen das Album für Fans freier, entspannter Musik interessant, denen es nicht schräg genug, dabei jedoch nicht zu hart und wild sein kann. Fabelhafte interstilistische Produktion.
Die "Heart Disc" (1999) hat Feuilleton Charakter, soll heißen, die 11 Tracks sind entspannte, lyrische Songs, die in der abgefahrenen Bar am Ort im Hintergrund laufen können, als Filmmusik funktionieren würden und Ausdruck der sanften Seite Robin Taylors sind. Das soll nicht bedeuten, dass die Stücke belanglos sind. In jedem Song sind ausgefallene und komplizierte Passagen und Motive zu hören, Taylor hat insgesamt großes Interesse an avantgardistischen, ungewöhnlichen Strukturen. Die laufen jedoch harmonisch und konventionell ineinander. Der Klang der 80er Jahre ist besonders auf diesem Album auszumachen. Die Stücke rocken nicht wirklich, "Heart Disc" birgt viel esoterisch elegantes und gekühltes Material und liegt damit ganz besonders zwischen allen Stilen. Gewiss nicht die beste Produktion von Robin Taylor, sind jedoch die radikalen Partien erstaunlich gut und interessant.
"Samplicity" war 2001 das nächste Solo Album Taylors. Unter Mithilfe von Karsten Vogel, der Saxophon spielte und Jan Fischer sowie Louise Nipper, die lautmalerischen Gesang beisteuerten, hat Taylor, der hier sämtliche Saiten-, Tasten- und Schlaginstrumente spielte, ein äußerst farbenfrohes und intensives Album geschaffen. In lyrischen Passagen ist er fabelhaft melancholisch, in forschen angenehm heftig. Das ganz besondere Faible für die vielen kleinen Extras in den Songs kommt auf "Samplicity" sehr gut zur Geltung. Teilweise sind die Arrangements schmal und einspurig, was der Melancholie sehr gut steht und emotional tief aufwühlt. Manche leise Idee scheint sich fast zu verflüchtigen, hat eine zarte intime Note und beeindruckt mit einer dezenten, verhaltenen Stimmung. Leise und sanfte Motive bestimmen die CD denn auch in der Überzahl, doch längst ist nicht alles harmonisch oder entspannt. Diverse kleine Piekse bringen disharmonische Töne ein. Das tut vor allem dem langen "Burnt Forest Island" gut, das sich scheu und schüchtern erst lange nicht traut, dann aber mit umso wilderen und freakigeren heftigen Tönen überrannt wird. "Samplicity" ist ein tolles, lyrisches Werk mit erfrischenden Besonderheiten. Dieser Art Alben ist leider selten und ein Tipp für Ambient Avantgarde Freaks.
Im ersten Moment wird nicht gleich klar, warum das im Januar 2002 in Kopenhagen eingespielte Werk "File Under Extreme" diesen Titel trägt. Doch von Minute zu Minute wird das 9 Tracks umfassende, genau 50 Minuten lange Album immer heftiger, wilder, radikaler, schwerer. Taylors besonderes Interesse an leisen Strukturen mit hübschen, fiesen kleinen Einbrüchen scheint sich hier verflüchtigt, beziehungsweise umgekehrt zu haben. Beginnt der erste Track noch harmonisch, findet sich bald eine düstere und schwer crimsoneske Stimmung ein, die wie in "Free-Bop" gar heftigst explodieren und zu freier Jazz/Rock/Avantgarde wird. Grandios! Vor allem die elektrische Geige macht sich melodisch Raum und reizt diesen abstrakt aus. Der Jazzfaktor ist auf "File Under Extreme" besonders hoch, verliert sich jedoch in manchem Song zugunsten improvisativ zerfaserter Rockklänge. Doch auch hier ist die besondere esoterische Note auszumachen. Taylor hat einen Hang zum Konventionellen, was ihm selbst in wilden Ausschreitungen noch anzuhören ist. Nie wird es zu brutal oder ausgeflippt, und immer wieder findet die Band ein ambientes Plätzchen, um eine neue Eskapade vorzubereiten. Der bestimmende Jazzanteil wird vor allen Jazzrock/Fusion Fans gefallen, überhaupt wird die Platte den Freaks für das Besondere gefallen, die Jazz und Avantgarde gern in einem Zusammenhang sehen und keine Scheu vor düsteren Rockparts haben.
Der jüngste Streich ist zwischen Februar und April 2005 eingespielt worden. "Oyster's Apprentice" ist das am meisten Prog nahe Album der mir vorliegenden fünf CDs. Die Songs wurden zwischen 1976 und 2005 komponiert, stammen also nicht aus einem Zeitraum, passen jedoch hervorragend zueinander. Die Einspielung ist überhaupt druckvoller als auf den früheren CDs, tiefer Bass und symphonische Keyboards bestimmen den Jazzrock. Das Schlagzeugspiel ist differenzierter, aufgebrochener und hinreißender als früher. Die komplette Produktion ist in den einzelnen, feinen und wilden Parts komplexer. Bewundernswert instrumentale Farbigkeit lässt großartige dynamische Steigerungen geschehen. Die 8 Songs machen 42 Minuten voll, das könnte mehr sein und weiter gehen. Die melodische Vielfalt ist von großem Reiz und wird jedem Old School Progheads gefallen. Das nuancenreiche Werk ist fabelhaft eingespielt worden. Die Rhythmusarbeit ist zum Hinknien schön, in einigen Passagen perfekt druckvoll, dann wieder zart und zurückhaltend. "Oyster's Apprentice" ist schlicht ein Meilenstein!
Ein interessanter Musiker, und trotz der großen Menge an CDs eher unbekannt. Das spricht überhaupt nicht gegen Qualität, sondern dafür. Groß gefördert wird das, was in der breiten Masse ankommt. Spartenprogramm hat es stets schwer und muss, wie im Falle Taylor, sich selbst behelfen. Und es sind schon wieder 2 neue Werke von Robin Taylor veröffentlicht worden. Wie macht der das nur?

progressor.net/robin-taylor
VM



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