The John Irvine Band "Wait & See" (Eigenproduktion 2011)

The John Irvine Band sind Alan Emslie (dr, perc), Doug Kemp (b) und Chef, Komponist und Arrangeur John Irvine (g, g-synth, keys). Das sehr technische Musik spielende Trio beweist vor allem großartig handwerkliche Fähigkeiten an seinen Instrumenten. Während Bassist Doug Kemp im Hintergrund Basis baut, eher Blues- als Funk-basiert arbeitet und kaum melodisch in den Vordergrund tritt, tut sich Irokese (toller Haarschnitt!) Alan Emslie erstklassig hervor. Lebhafte Stücke wie "Zigzag" entlocken ihm die letzte Inspiration und alle Energie, sein Schlagzeugspiel ist nur erstklassig und ungemein mitreißend.
John Irvine selbst legt die stilistische Orientierung eher in den Electric Jazz als in den Jazzrock. Zum einen liegt das an seinen elegischen, jazzbasierten Kompositionen, sodann an der instrumentalen Auslegung der kompositorischen Themen: weniger improvisativ, mehr melodisch, zart und lyrisch mit klarem, hellen Klang ohne großen Hang zu Rockhärte oder progressiv-technischer Komplexorgie. Zudem sprechen die Sounds seiner Gitarren, Synthesizer-Gitarren und Keyboards die Sprache des akademischen Jazz. Es gibt keine ungenauen Rauheiten, keine energischen Ausbrüche, die nicht detailliert ausgearbeitet sind, noch gewollte ‚Fehler' oder lockere Harmoniebrüche - die Songs haben ihren Fluss, sind überwiegend elegisch bis schöngeistig, ohne pastoral zu wirken, und sind dennoch kompositorisch technisch geprägt und von einiger Vitalität. Von ‚ausgeflippt' kann die Rede nicht sein.
"Wait & See" ist eine dieser perfekten Produktionen, denen vielleicht ein Mangel an Lebendigkeit vorgeworfen werden kann, eine gewisse Verkopftheit und Unnahbarkeit, aber gewiss keine Fehlerhaftigkeit oder stilistische Schwäche.
Dezente Blues- und geringe Funk-Bindung, partiell Metal-Härte bringen das Trio in entferntere Nähe zu Allan Holdsworth Anfang der 80er, wobei The John Irvine Band technischer ist als der bekannte Gitarre spielende und Fahrrad fahrende Bierbrauer damals.
Electric Jazz Fan können sich auf ein feines Meisterwerk freuen, das begabt, inspiriert und klar definiert auf sein Ziel steuert und dabei acht instrumentale Songs präsentiert, die genau den Geist des (Rock-)Jazz sprechen, der hochqualitativ nur so perfekt klingen kann.
Zwar ist Electric Jazz dieser Art schon unzählige Male von studierten Musikern auf LP und CD verewigt worden, doch die technisch handwerkliche sowie kompositorische Qualität sprechen für sich: Wait - and see!

johnirvinemusic.com
reverbnation.com/thejohnirvineband
VM





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