Velvetseal "Lend Me Your Wings" (Dark Balance 2009)

Lyrisches Seemannsgarn erster Kajüte spinnen die Ungarn Velvetseal auf ihrer neuen CD und umgarnen damit meine Ohren. Gabriella (Engelszunge), Csaba (Gitarre), David (Bass) und Balazs (Schlagzeug) fördern dabei verschiedenste akustische Schmückstücke aus Neptuns Schatztruhe zutage, die sich im Gespinst ihrer Notenliniensysteme verfangen haben und glänzen somit auf ganzer Linie mit einem kompositorischem Charme, wie ich ihn lange nicht mehr im melodiös-progressiven Metalbereich hören dürfte. Melancholisch anmutende Passagen driften ab ins momenthaft Monumentale und zerbersten an ihrerseits fragilen Vokalsequenzen. Meist kommt aber schon bald hernach erneut eine frische Brise auf, die dem Hörer phontal ins Gesicht weht. Gabriellas ausdrucksstarke und variable Stimme ist dabei stets perfekt in die Musik eingebettet. Mehrfach werde ich aufgrund der vorherrschenden harmonischen Strukturen an die deutsche Band Battlefield erinnert, was sicherlich nicht die schlechteste Referenz ist. Falls die Ungarn jemals die Chance haben sollten mit realen Chor und Orchester aufzunehmen, darf man gespannt sein. Natürlich erfinden Velvetseal das Navigieren im Ozean symphonischer Kaskaden nicht neu, doch spritzt ihre tonale Gischt höher und funkelt im gleisenden Licht klarer als dies bei vielen Bands mit ähnlichem Konzept der Fall ist, auch wenn selbige für immer der Versuchung erliegen sollten mittels Sirenengeheul die Wogen zu besänftigen. Einen großen Nachteil besitzt dies Album allerdings - es endet viel zu früh!

myspace.com/velvetseal

Frank Bender




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