Zauss "überall - in terra straniera - borders beyond (Fazzul Music 2011)

Francesco Zago und Markus Stauss sind Zauss. Nach "neulich an der Grenze" (2006) hat sich das Duo erneut zusammengetan, Konkretes und Abstraktes im Zusammenspiel von Gitarren und Saxophonen zu finden. Beide sind gemeinsam in Yugen aktiv und haben diverse Alben in unterschiedlichen Bands und Projekten veröffentlicht. Zauss ist anders. Es geht nicht - wie etwa in Yugen um komplexen Progressive Rock oder in Überfall um rasanten Jazz/Rock - um melodisch-harmonische Stücke herkömmlicher Denkungsart. Das Duo abstrahiert ausgiebig und findet gemeinsam zu freiem Klang, der intuitiv entsteht und so verstanden werden will. Die Musiker gehen aufeinander ein, entwerfen Themen, verflechten ihr Spiel ineinander, spielen sich Bälle zu, greifen dem Anderen in die Harmonie und lassen manche Idee, die sanft und kühl begann, expressiv hochfahren und kratzig-harsche Aufgefahrenheit erleben. Das ist nicht Rock noch Jazz. Doch eher wird Zauss wohl als Jazz wahrgenommen werden, um dem Kind einen Namen zu geben und es zu verstehen.
Das Album hat einen satten Sound, klare, druckvolle Tiefen fahren satt und volumig aus den Boxen, die Höhen plärren nicht und klingen rein und lebhaft. Das ist auch notwendig, um die Extravaganz der experimentellen Klänge nicht misszudeuten. Francesco Zago und Markus Stauss können gut miteinander, das ist deutlich zu hören. Der Eine geht auf den Anderen ein, und gemeinsam findet sich ein abstrakter Klang, der eindrucksvoll ist und kunstvoll, hier dramatisch bis in hohe Disharmonie, dort lyrisch in sphärischer Weite. Die 13 Stücke wurden an zwei Tagen aufgenommen. Die intuitiven Kompositionen, spontanen Arbeiten, haben ihre Wurzeln gewiss auch an diesen Tagen, wohl keine fest manifestierten Noten, sondern leben aus dem Augenblick. So wirken sie. In einer gewissen Harmonie angefangen schwebt ein Stück in lyrischer Melancholie, ein anderes kratzt sich metallen und mit druckvollen tiefen Tönen ins Bewusstsein. Die stärkste Größe hat die Band in den gleitenden Harmonien, die in den elegischen Motiven zwischen dem singenden Klang der Gitarre und dem melodischeren der Saxophone entstehen.
Ein breites Publikum wird es dafür nicht geben, eher ein kleines, hungriges, das genau diesen Sound will und längst von den stets gleichen Alltagssongstrukturen erlöst ist.

Zudem sei erwähnt, dass Markus Stauss von seinem verblichenen Projekt Überfall eine CD hergestellt hat. Quasi seine persönliche Best of, eine Anthologie. 14 Songs drauf, die aus den Jahren 1984 bis 1991 stammen. Nicht nur zu den einzelnen Songs sind Informationen im Booklet angegeben, die Story der Band kann in englischer, deutscher, französischer, italienischer und (?) rumantischer Sprache nachgelesen werden. Die ursprünglichen LPs der Band gibt es, siehe Newsseite, auch noch im Original bei Markus Stauss.

fazzulmusic.ch
VM



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