Alex Maguire Sextet "Brewed in Belgium" (Moonjune Records 2008)

Neben dem Briten Alex Maguire (acc p, synth) standen am 27. Oktober 2007 im De Singer in Rijkevorsel, Belgien, Robin Verheyen (ts, ss) und vier Mitglieder der belgischen Jazzrock Band The Wrong Object, Jean-Paul Estiévenart (tr, fl), Michel Delville (g, g-synth), Damien Polard (b) und Laurent Delchambre (dr) auf der Bühne, diese 11 Tage später im Radio ausgestrahlte Show zu geben.
Der Auftakt "Psychic Warrior" ist ein langer Sololauf Maguires, zu dem nur sporadisch und nebenher die Mitspieler einsteigen. Pausenlos geht das Stück in "John's Fragment" über, das noch einmal 9 Minuten lang ist. Hier zeigt sich, nach der ersten jazzbetonten Pianoabstraktion, die Ähnlichkeit und Nähe zu The Wrong Object.
Das Alex Maguire Sextet spielt Jazzrock alter Schule neuer Musiker mit psychedelischem Unterton stark jazzbetont. Nicht weit von alten Soft Machine entfernt und doch ganz anders, ist der Modern Jazz Rock, wenn man so will, eine virtuose und ungemein dynamisch lebhafte, aufwühlende instrumentale Orgie. Die Band ist zahmer als Soft Machine zu besten, wildesten Zeiten. Dennoch aber hat die Band rasanten, harschen Ausdruck. Das Bandgefüge entführt die Grundkomposition in abstrakte improvisative Bereiche, in denen Piano, Schlagzeug und Saxophon als führende Instrumente in laute, abgefahrene, radikale Läufe ausbrechen. Sobald die Band in "normale" Bereiche wieder herunterfährt, kühlt die Hitze der Improvisationen erst einmal ab, um von den nächsten Instrumenten erneut zur Glut gebracht zu werden. Auf Basis der schwebend klingenden Synthesizer-Flächen wird ein zauberhaftes, exzellentes Trompetensolo intoniert, während der Bass enorm melodische Figuren ultraschnell spielt. Die Band gerät im weiteren Verlauf wieder ins Schwärmen, in die freie Bahn und findet spielerisch zu Free Jazz, an dessen Grenze sie jedoch wieder herunterfährt, um einen neuen Anlauf zu wagen. Michel Delville, der in The Wrong Object kompositorisch und melodisch die Fäden in der Hand hat, hält sich hier erstaunlich zurück. Die Synthesizergitarre bringt längst nicht den gewaltigen Kraftausbruch wie die elektrische. Im 16-minütigen "Saturn" jedoch, eine Komposition des Trompeters Jean-Paul Estiévenart, die Jazz und Spacerock in freier Bahn vereint, wird es weitaus rockiger als bisher, die elektrische Gitarre kommt solistisch zu Gehör, bricht sich Bahn. Nach dieser, der rockigsten Nummer der CD, wird es nicht mehr so stark jazzbetont wie zu Beginn. Doch gerade das wiederum 9-minütige "Theresa's Dress" zeigt eine geniale Komposition auf balladesker Basis mit intensiven Läufen.
Das mit 6 Minuten im Vergleich kurze "Pumpkin Soup" ist ein abstraktes, klassisch geprägtes Stück. Maguire, der die Komposition geschrieben hat, beweist seine klassische Ausbildung und kraftvolle Dynamik in der Fingerfertigkeit. Zum Schluss intoniert die Band Elton Deans "Seven For Lee" noch einmal über 9 Minuten lang. Und als würde sie sich jetzt ganz frei gespielt haben, ist die Lockerheit des Bandspiels großartig wie nicht zuvor. Das saftige Spiel, die herzhafte Leichtigkeit und Freiheit im improvisativen Ausarbeiten des Themas sind beeindruckend, hinreißend. So klingt Jazz, der aus Jazzrock gewachsen virtuoses handwerkliches Können in den Vordergrund stellt und keine dicke, ungesunde Welt kennt, die Pop heißt. Tolles Konzert!

moonjune.com
VM





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