The Allman Brothers Band "One Way Out - Live At The Beacon Theatre" (Sanctuary Records 2004)

Ob 1971 "At Fillmore East" oder 2004 "At The Beacon Theatre" - Zeit spielt in der Musik dieser großartigen Band keine Rolle - was The Allman Brothers Band mit diesem 2CD Live-Werk abliefert, ist voll Energie, Lust auf und Hingabe an die Musik, Hardrock, Blues, Country, Jazz. The Allman Brothers verstehen es nach wie vor, zu rocken, dass die Haare auf den Armen abstehen, ein kalter Hauch über die Wirbelsäule kriecht und die Sinne einem therapeutischen Reinigungsprozess unterzogen werden.
Die Band besteht heute, nach unzähligen Umbesetzungen, Wiedereinstiegen und Verlusten ins Jenseits aus Gregg Allman (vocals, Hammond B-3 organ), Butch Trucks (drums & tympani), Jaimoe (drums), Warren Haynes (vocals, lead & slide guitar), Marc Quiñones (percussion & vocals), Oteil Burbridge (bass) und Derek Trucks (lead & slide guitar). Am besten arbeitet der gut geschmierte Motor, wenn ihm genug Zeit gelassen wird, und er lange Strecken absolvieren darf. Und wie einst geht es auch heute zu. The Allman Brothers Band lässt 4 der 18 Songs über 10 Minuten lang werden, bis zu 16 Minuten lang. Und immer dann, wenn die Gitarren über dem brodelnden Hexenkessel der instrumentalen Wahnsinnsarbeit der gesamten Truppe solieren und improvisieren, entwickelt sich eine höhere Energie, die Tränen treibend und mitreißend ist, was nur geniale Musik kann. Solange die gestandenen Männer die Songstrukturen spielen, sind sie gut. Sobald sie aber in die wilde, freie Natur der "Instrumental Illness" hinaus reiten, werden sie zu Zauberern, die ganze Aufmerksamkeit ansaugen. Der immer wieder ungemein reizvolle Klang zweier Schlagzeuge, gut mit Percussions abgefedert und einem fetten Basis-Bass umsorgt, ist perfekt gespielt, die Hammond tut ihr übriges und die beiden Gitarren leben wie Pflanzen, die unter besten Bedingungen auf fruchtbarem Feld aus dem Boden sprießen. Keine der ähnlich orientierten Bands kann dieser Band das Wasser reichen, weil sie alle mit einem Manko belastet sind, entweder haben sie den genialen Anteil Jazz weggelassen, was etwa so ist, als würde ein Gitarrist sich einen Arm abhacken, oder sie haben es nicht verstanden, diese gemeinsame Integrität zu erzeugen.
Und wenn zum Schluss "Whippin´ Post" eine Viertelstunde zum puren Genuss macht, kann man verstehen, warum Zappa dem Stück verfallen war, warum die Band immer noch auf die Bühne geht. Sie sind Künstler. Hoffentlich bleiben sie uns lange genug erhalten.

VM



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