Dawn of Midi "First" (Accretions 2010)

Dawn of Midi sind Qasim Naqvi (dr, perc, Pakistan), Aakaash Israni (Kontrabass, Indien) und Amino Belyamani (p, Marokko). Das Trio spielt free form Jazz ohne konkrete ethnische Einflüsse, die es sicher gibt, ohne dass sie den Sound bestimmen.
Die drei illustren, ausgezeichnet inspirierten und handwerklich-technisch begnadet versierten Musiker gehen mit ungeheurer Energie ans Werk. Alle drei sind gleichberechtigt und spielen so selbstbewusst und energisch, und dabei so aufeinander eingespielt, dass kein Instrument die Songs mehr dominiert als jedes andere. Rhythmus, Melodie, Harmonie - herkömmlich ist hier nichts und letztlich gar nichts. Die inspirativen Klänge haben enorm Flair, obschon die Harmonien bisweilen sehr abstrakt sind und harsche Klänge einbeziehen. Lyrik und Sanftheit gehen mit nervöser Härte und forschem Spiel Hand in Hand. Zu verspielt krümeligem Schlagzeug und wie übend satt wühlendem Bass sitzt ein lautes, rasantes Pianospiel im Vordergrund, bis der Bassist vorsprengt, einen kurzen Moment eine Variation in die Bühnenmitte schiebt und vom Schlagzeug überholt wird, das spielerisch und keck ins forsche Basssolo haut und die Energie des Stückes völlig verändert, während der Pianist plötzlich im Off auf den Tasten träumt und elegische Mattigkeit fließen lässt.
Das Trio hat eine starke Sensibilität füreinander, und ebenso für die Stimmung, die Atmosphäre ihrer freien Kompositionen. Allerdings sitzt in zwei Tracks Pianist Amino Belyamani für Minuten auf einem Ton, spielt ihn immer und immer wieder, wozu Aakaash Israni und Qasim Naqvi eine enorm virtuose Duoimprovisation spielen. Jedoch, diese Dominanz und penetrante Wiederholung dieses einen Tones ist anstrengend und fordert zuviel Aufmerksamkeit ein, die im Nachgang zuerst ermüdet und die Neugierde auf diese beiden Songs verblassen lässt.
Schade, denn das rein akustische Album hat einen außergewöhnlich feinen Klang - für diese Art freier Musik. Weit entfernt von der Krachigkeit des harschen Free Jazz, eher locker zwischen Avant Jazz und freier Improvisation mit durchaus Humor und steten verblüffenden harmonischen Lösungen mäandernd, bringt das Trio seine Musik - mit genannten Ausnahmen und auch dort nur partiell - grandios zu Gehör. Bemerkenswerte Band, ein Album, das nur unbedingt den Jüngern der Improvisationsszene ans Herz gelegt sei.

dawnofmidi.com
VM



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