Delta Saxophone Quartet "dedicated to you…but you weren't listening" (Moonjune Records, VÖ: 23.11.2007)

Untertitelt ist dieses berauschende Ambient-Album zwischen allen stilistischen Stühlen mit "the music of soft machine", was ihnen auch gleich einen berühmten Partner eingebracht hat: Hugh Hopper ist im zweiten Track "Facelift" mit von der Partie. Ein weiterer Gast ist der Rockmusiker Morgan Fisher, der einst Hardrock und Progressive Rock spielte und wie Hopper lange bereits "im Geschäft ist".
Graeme Blevins (ss), Chris Caldwell (bs), Tim Holmes (ts) und Pete Whyman (as) sind, wenn es das Quartett auch bereits seit 1984 gibt, gewiss keine Nostalgiker, die sich in die fertigen Spuren setzen. Sie sind die Variation. Das besondere an der Besetzung des Ensembles findet sich in den eigenen Arrangements wieder.
Opener "Dedicated" klingt noch etwas verhalten, verträumt. Doch schon "Facelift" reißt sofort mit. Das starke Motiv findet eine komplette Variation, findet nur als Rudiment in den Basen statt, aus denen die Abenteurer zu improvisativen Zielen aufbrechen. So geht es fort. Das Düstere, Komplexe, Melancholische, Epische und Lyrische in den Kompositionen findet eine neuartige Dynamik im freien, melodischen Spiel des Quartetts.
Manchmal klingt es, als spielte der Vierer klassische Vorgaben, so klar ist die Spielweise, so rein und sauber der Ton, der Ansatz, das Spiel. Das sind auch die vielstimmigen Arrangements, die sich wie in der klassischen (und nicht neuen) Musik harmonisch reich ergänzen und zu einem großen räumlichen Klang werden.
Gewiss wird kein Publikum in der Intensität nachvollziehen, wie viel Spaß diese Musik macht, wie es das Delta Saxophone Quartett selbst erlebt. Das gleiche erleben Sänger, die einem großen Chor beitreten und mit dem Reifen des Chorsingens irgendwann merken, was ihnen da Großartiges passiert.
Aber unzugänglich sind diese Songs keineswegs. Free oder Jazz sind hier absolute Fremdworte, Rock und Pop wirken als Begriffe nur falsch. Avantgarde trifft es vielleicht notgedrungen, vielmehr trifft es schlicht: harmonisch reiche, von Stilen unabhängige Musik. Wer den Klang von Saxophonen in der Popmusik oder im Jazz hasst, davon soll es Musikfans geben, wird erstaunt sein, über diese Erhabenheit, diesen ganz anderen Klang.
Das Delta Saxophone Quartet schikaniert und vergewaltigt seine Instrumente nicht, es liebt und hegt sie. Das ist jedem Ton offenbar. Diese Songs, die nicht von Soft Machine zu stammen scheinen, was sie letztlich auch nicht mehr sind, können Sonntagmorgen am Frühstückstisch funktionieren, im Theater, und meinetwegen im Feuilleton der Kulturbeilage jeder Zeitung. Zeitung, nicht Blöd- oder sonst was Dingens, klar doch.
Keine Angst gilt immer. Hier einmal mehr. Ist nicht cool, aber fetzig.

musicontheedge.com
moonjune.com
VM



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