|
Derek Sherinian "Oceana" (Music Theories Recordings, 05.09.2011)
|
Schon erstaunlich, dass er das noch schafft. Mitglied der derzeit medial abgefeierten Black Country Communion und nebenbei bringt er noch - und wieder - ein eigenes Album an den Start. Nach seinem JazzProg-Projekt Planet X und parallel dazu hat Derek Sherinian nunmehr bereits das sechste Solo-Album eingespielt, das stilistisch zwischen Progmetal und Jazzrock wildert. Zwar sind seine Kanten, auf dem neuen Werk besonders deutlich, schon ganz schön abgeschliffen, hat sich Routine eingestellt und sind die Kompositionen im Grunde nur ein Echo der Qualität, die er auf den ersten Alben dieses Stils vorherrschte, so sind doch längst noch diverse Qualitäten erhalten. Es wird weitaus weniger technische Schnelligkeit zelebriert, die Songs sind melodischer, eingängiger, grooviger, pompöser geworden, ohne jedoch stilistisch neu festgelegt zu sein. Derek Sherinian hat immer noch Bock auf Jazzrock. Längst in der Rockwelt als Handwerker und Künstler geschätzt, verehrt und begehrt, hat er sich zu seinem neuesten Streich wieder einige illustre Namen ins Boot geholt, die unwägbaren Gewässer abzuschippern. Da sind Black Country Communion Mitstreiter und Bluesbarde Joe Bonamassa (g), Steve Lukather (unter anderem Toto), Tony MacAlpine (Planet X Mitarbeiter), Tony Franklin, Jimmy Johnson und Simon Philips zu hören. Letzterer hat schon eigene Jazzrock-Alben vorgelegt, und der alten wie der neuen Rockwelt zu unzähligen Großtaten verholfen.
Heute, Rockmusik ist längst erwachsen und gut abgehangen, sind alle ihre Stile, die seit ihrem Beginn Krieg gegeneinander führten, friedlich und erwachsen vereint und geben sich gegenseitig den Raum, der ihnen zusteht. Die Kindereien sind überwiegend ausgefochten und ein Jeder macht ausgiebig das, was er mag und kann. Alles ist akzeptiert und kann sich voll und rund austoben, ohne in Pop, Metal oder sonstige Richtungen schielen zu müssen oder sich anzubiedern. Publikum und Medien haben die Vielfalt begriffen, akzeptiert und nachvollzogen, die Grüppchen sammeln sich um ihre Helden und ein jeder Held kann nach Herzenslust abliefern, was er produzieren mag, solange ihn die Hörermeute nicht verlässt. Diesen hier, Derek Sherinian, wird so schnell keiner verlassen, wenn das Publikum auch nicht am Bühnenrand drängelt, sondern im Sessel davor sitzt, mit Abstand, und der Rasen ist gemäht.
9 Songs sind auf "Oceana". Wie immer instrumental, wie immer zwischen den Polen Lässigkeit und Intensität aufgespannt, mit Komplexmätzchen gefüllt, kraftvoll und technisch erlesen. Und doch, der Überraschungseffekt ist weg, die Gänsehaut hat sich in gute Unterhaltung gewandelt, alle sind älter geworden, Band, Stil und Publikum. Und je mehr Alben in der Sammlung stehen, umso weniger wird das einzelne gehört. Diese 9 x 5 Minuten lassen sich gut hören, sind nix schlecht oder langatmig. Alles andere kommt zu seiner Zeit.
dereksherinian.com
mascotlabelgroup.com
VM
Zurück
|
|