Technik

Gang Bang

Bevor ich mich gleich in diesem Text über Gitarren, Pickups, Herstellervergleiche u.ä. ergieße, möchte ich mich erst einmal aus dieser Ecke verabschieden. Andere Projekte ( Band und Buch) erfordern momentan ziemlich viel Zeit, so dass ich mich nicht in der Lage sehe, meinen Sermon in regelmäßigen Abständen dazuzugeben. Wer mich kennt weiß aber, dass ich mich immer mal wieder gerne in Erinnerung bringe!
So, Tränen trocknen und weiterlesen...jetzt!
Da ja der Bericht "Zappas SG" wie eine Bombe eingeschlagen ist, (immerhin e  i  n  e Rückmeldung) und seit dem "Phönix SG" Bericht eine Email Verbindung mit Kai Rothfuchs (Ex Sheik Yerbouti) besteht, dachte ich mir, das Phänomen SG anhand eines Testes zu vertiefen!
Die SG erlebt ja z.Zt. so eine Art Renaissance, ausgelöst durch Bands wie Wolfmother, System Of A Down, Derek Trucks Band und ZpZ. Dieses hat natürlich zur Folge, dass die begehrten Gibson Jahrgänge 61 - 64 preislich rasch den Rahmen sprengen. Aber zum Glück hat Gibson flux reagiert, so dass auf der Basis der 61er SG in jedem Preissegment für Jeden etwas dabei sein kann!
Zum Test liegen vor: eine Epihone SG 400 Worn Brown, eine V.O.S. 61 SG mit Vibrola (wie sie auch D. Zappa spielt), eine Epiphone Elitist 61er SG und eine herkömmliche Gibson SG. Gemein ist allen die Grundform und die Bestückung, lediglich in der Pickup Auswahl und der Hardware unterscheiden sich die Probanten. Eine sehr gute Verarbeitung und Qualität kann ich allen Teilnehmern bestätigen und im direkten Vergleich gab es keine Verlierer. Aber angesichts des Preis - Leistungsverhältnisses lag die preiswerte Epiphone SG 400 Worn Brown ganz klar auf dem Siegerbettchen, wie es sich für eine anständige Geliebte gehört.
Aber immer schön der Reihe nach! Ich fang mal mit Miss Teuer an.
Die V.O.S. 61 SG kommt direkt aus dem Gibson Custom Shop und ist für schlappe 3000 Öcken zu haben. Das Besondere an ihr ist, dass sie sich anfühlt wie bereits gespielt und zwar gut eingespielt. So haben die Hardwareteile jene Patina, die alt Schätzchen halt so aufweisen und auch die Lackierung vermittelt Einem dieses gebrauchte Gefühl! Künstlich gealtert heißt die Zauberformel und satt tonal zieht der einteilige Mahagonikorpus den Klangmagier in seinen Bann. Gutes Holz ist halt durch nichts zu ersetzen!
Der Hals wiederum weist schon die Original Maße von 61 auf, ohne allerdings den Spaghettihalseffekt, den die damaligen Originale noch aufwiesen. Wenn man die Finger vom Vibrato läßt, bleibt die Dame auch stimmstabil, was nicht zuletzt die Grovermechaniken mit zu verantworten haben. Übertragen wird das zu hörende Spektrum, laut Vertrieb, von Classic 57 Humbuckern. Diese klingen angenehm harmonisch und verfügen über eine moderate Lautstärke.
Mit anderen Worten: Vertreter und Liebhaber des Classic Rocks, haben hier ihre helle Freude. Allman, Zappa, Marino und Santana-Klone werden ihre Licks ungleich besser zu Gehör bringen können! Nur vom Vibrato sollte man tunlichst die Finger lassen. Zwar ist es konstruktionsbedingt nicht so sustainraubend wie die Fendervarianten, da hier kein Holz entfernt werden muß. Aber stimmstabil ist etwas anderes, jedoch reichts für leichtes Jangeln. Nur um Gottes Willen keine Diveboms, denn dafür ist das Teil einfach nicht konzipiert.
Die 61er SG Elitist ist, wie der Name schon vermuten läßt, dass Flaggschiff der Epiphone Flotte, kostet 899 und wird in Japan gebaut! Sie folgt der V.O.S. in fast allen Belangen und unterscheide sich fast nur durch Kopfplattendesign, 2-teiligem Body und Pickup Auswahl. In 50 R und 50 T verrichten hier ihr Werk und klingen deutlich moderner weil lauter. Hier hat man wohl die Musiker der härteren Gangart ins Auge gefasst. Aber Highendboliden sind die PUs beileibe nicht. Eher werden hier die Singeigenschaften schneller vorangetrieben.








Die normale 61er Gibson ist von vorne bis hinten eine ebenbürtige Schwester der V.O.S.! Einzig das kostenintensive Ageing fällt hier weg, doch bekommt man für 2203 eine hervorragend verarbeitete Rockn Roll Guitar, Made in USA. Lackschäden und Abnutzen kann man selber machen! Ging ja früher auch.
Kommen wir nun zum heimlichen Star in der Runde.
Zwar waren Epiphone Gitarren lange Zeit zu Recht verpönt, mittlerweile hat man sich doch eines Besseren besonnen. Vorbei die Zeiten mit schlechter Holzverarbeitung (Erle bei Gibson Ablegern, geht gar nicht), Schraubhals und billigst Tonabnehmern. Nicht umsonst sind die Epiphone Gitarren in fast jeder Britpopband zu hören! Eine ordentliche Verarbeitung weist auch die SG $00 Worn Brown auf. Zwar ist der Mahagonikorpus 3-teilig, aber dieses fällt beim Preis von 429 kaum ins Gewicht! Im Vergleich mit den anderen SGs sind die Tonabnehmer zwar die Outputstärksten, aber auch sie können singen und weinen wie die Großen! Bei dem Preis ist die Überlegung von Burstbuckern als Nachrüstsatz dann auch gar nicht so abwegig oder den guten alten 57 Classic, die nicht umsonst die Lieblings PUs von Warren Haynes sind. Leicht kopflastig läßt sich die 400er nicht minder so gut spielen, wie die V.O.S: und auch hier wird durch die Wornlackierung ein Gebrauchsfeeling suggeriert!
Hier schließe ich mich dem Kollegen von "Guitar Player" an. Mit besagtem Pickup Tausch ist man zu 95% an der V.O.S. dran! Hergestellt wird die Kleinste übrigens in Korea und Tschechien.
Hier hatten wir nun 4 Interpretationen eines Themas. Natürlich gab es leichte Variationen bei der Halsform und die Pickup Auffassung vom Gibson Mutter Konzern! Je preiswerter, desto lauter, das ist schon recht...eigen! Spaß gemacht haben aber alle Probanten. Wobei man bei den preiswerteren Modellen weitaus weniger demütig und vorsichtig (uuaaah, teuer!! Bloß aufpassen und keinen Kratzer rein machen!) zu Werke geht.
Verarbeitet waren alle SGs sehr gut, aber vom Preis - Leistungsverhältnis ist die Epiphone SG 400 hier klarer Sieger! Wie schon von Hans und Kai Bremer bemerkt. Guter Ton muß nicht teuer sein!

Der von ihnen Herr Bremer käuflich erworbene Marshall MC 10 CD befindet sich auch seit Jahren in meinem Besitz! Ich kann darüber auch nur das Beste berichten. So ein kleiner Freudenspender, einfach goldig!
Wenn manch einer meiner Weggefährten so wäre, vielleicht würde ich...Auftrittsangebote schon ablehnen müssen!! Aber das nur so am Rande!
Da fällt mir zu Kai Rothfuchs übrigens noch ein:
Wir beide, also der Kai Rothfuchs und der Michael Krampe könnten uns theoretisch einen gemeinsamen Gig bei einer Zappanale vorstellen, aber das ist ja wohl vom Festivalkomitee abhängig!

Michael KrAMPe

Lutz Lektor



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