Christoph Haberer "Trommelzeit" (JazzHausMusik 2008)

Warum in die Ferne lauschen, wenn der Gute schlägt dem Fassungsvermögen den Bogengang aus der Paukenhöhle? Christoph Haberer erzeugt mit seinem nunmehr siebenten Album ein Spektrum ohraler Kleinode ohne dabei meines Erachtens den Bogen zu überspannen und erweist sich somit quasi als Mann für alle (Trommel-)Felle. Nicht nur einmal erinnern mich seine Stücke, die oftmals geschickt akustische und elektronische Klänge in graziler Weise miteinander verweben und gewissermaßen eine Elektro-Nische schaffen, an in Musik gewandete Haikus - stringent im Aufbau, ohne Längen und trotz wiederholt eingesetzter Elektronik immer natürlich frisch klingend. Außerdem erweist sich Herr Haberer in der Wahl des Titels seiner CD als mutig, wenn er sie völlig entgegen dem Trend zur Eineng(lisch)ung "Trommelzeit" nennt. Bereits der CD-Öffner "Playing Time" spielt mit der Synthese aus Organik und Synthetik. Aber auch die folgenden Stücke "Silvester 05" und Transition" loten diesen Mix in weiteren Facetten aus. "Echowhale (für Barbara)" hat meditativen Charakter und zeigt wie pointiert eine (mittels Sequenzer generierte) Udu klingen kann. Was mir als Purist für Naturklänge besonders gut bei diesen Aufnahmen gefällt, ist die Art, wie scheinbare Gegensätze zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen. Ohnehin ist die Palette der eingesetzten Instrumente groß und reicht von diversen Elektronika über ein elektro-akustisches Drumset bis hin zu Balafon, Gongs, Klangschalen und als Trommeln benutzte Weißblechdosen. Mal werde ich bei Christoph Haberers Musik an Bill Brufords Band Earthworks erinnert, mal an die Kompositionen Chad Wackermans. Unbedingt erwähnenswert finde ich, dass alle Stücke "live" im Proberaum entstanden und alle Natur- und Elektroniksounds bis auf zwei reine Sequenzerstücke synchron und manuell bedient wurden. Aufgenommen wurde in Stereo, was impliziert, dass keine Overdubs möglich waren. Es ist immer wieder schön zu hören, wenn technisch hochklassiges Trommeln dergestalt dargestellt und mit musikalischer Ausdruckskraft kombiniert wird. Was lernen wir daraus? An(n)a log im Digital!

christoph-haberer.de
Frank Bender



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