"Hochhaussinfonie" mit Pet Shop Boys und Dresdner Sinfonikern, Live am 20.07.2006 in Dresden, Prager Straße

Soundtrack zur Revolution

Was für ein Projekt! Mitten auf der Prager Straße, der Einkaufsstraße in Dresden, wurde Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" - laut 6.000 Kritiker der beste europäische Film aller Zeiten - als multimediales Spektakel inszeniert. Den Soundtrack komponierten die ansonsten eher in seichteren musikalischen Wassern fischenden Pet Shop Boys, die damit einem Wunsch Eisensteins entsprachen: Jede Generation möge ihre eigene Musik zum "Panzerkreuzer" erschaffen. Das Ergebnis der britischen Popduos erlebte bereits Aufführungen in London und Berlin. Dresden war aber noch einmal eine besondere Nummer. Als "Bühne" diente hier der nach Veranstalterangaben mit 240 Metern längste Wohnblock der Republik. Der eigentlich hässliche und nur noch partiell bewohnte DDR-Bau war zu einem vertikalen Orchestergraben umfunktioniert worden. In 2 x 21 gelb beleuchteten Balkonen saßen die Musiker der Dresdner Sinfoniker, in einem weiteren rot angestrahlten - direkt unter dem Dach - die Pet Shop Boys. Unter ihnen die Riesenleinwand, auf der zunächst der "Vorfilm" lief: Schnell geschnittene und klug ausgewählte Szenen aus vergangenen (DDR-)Tagen inklusive der Prager Straße, teilweise von Stasi-Überwachungskameras aufgenommen. Dazu die als Jahreszahlen illuminierten Balkone. Einigen Dresdnern standen die Tränen in den Augen.
Dann brandete das Schwarze Meer auf der Leinwand und der Panzerkreuzer-Countdown läuft. Auf dem Dach bewegten sich derweil Neil Tennant und Chris Lowe im Schein zweier Spots aufeinander zu, um kurze Zeit später im obersten Balkon zu erscheinen. Der Eisenstein-Film beginnt, unterlegt von einem wie vom Regisseur selbst ausgewählten Soundtrack. Eisenstein erzählt in "Panzerkreuzer Potemkin" die Geschichte meuternder Matrosen im Jahre 1905, die zum Auslöser für die erste russische Revolution werden. Die Parallelen zu den Ereignissen von 1989 hierzulande und damit zum "Vorfilm" sind offensichtlich.
Die Pet Shop Boys schufen mit ihrem Sound die perfekte akustische Illustration zu der aktionsreichen Handlung und verstärkten so noch einmal die Emotionen in den Gesichtern der Protagonisten. Dazu gesellten sich die Dresdner Sinfoniker, die dank einer superben Soundanlage mehr als nur schmückendes Beiwerk zu den elektronisch erzeugten Klängen von Lowe und Tennant waren. Glasklar und mächtig der Sound, der aus den vielen Boxen drang.
Am Ende schafften es die Lichtdesigner gar, aus dem Hochhaus einen übermächtigen Panzerkreuzer zu machen. Schließlich die Pet Shop Boys in Großaufnahme auf der Leinwand: "Danke, Dresden - und alles Gute zum 800.!" Das Stadtjubiläum hatte dieses einmalige Spektakel überhaupt erst möglich gemacht. 10.000 Menschen durften es in der ausverkauften "Arena" miterleben. Für alle, die nicht dabei waren, bleibt die Hoffnung auf eine DVD. Oder der Kauf der CD, die bereits erhältlich ist.

  
      


Text: Stefan
Fotos: Cordelia



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