Interview mit Stas Morozov (GUNESH) im Juli 2006


Der Saxophonist Stas Morozov war (und ist) einer der Motoren der turkmenischen Kult-Band GUNESH, die nahezu unbemerkt vom westlichen Musik-Publikum ab dem Jahr 1971 Musikgeschichte schrieb, indem sie den mittlerweile hinlänglich bekannten Jazz-Rock-Sound mit Anteilen aus der Folklore ihrer Heimat kombinierte. Damit erfanden die Musiker von GUNESH die Ethno-Fusion - ein Klang-Gebräu, das wenig später solchen Gruppierungen wie dem Mahavishnu Orchestra zu Weltruhm verhelfen sollte.





ragazzi: "Wann und von wem wurde GUNESH gegründet?"
Stas: "Die erste Generation von Gunesh wurde Ende der 1960er Jahre gegründet. Gunesh war damals die Hausband eines Rundfunk- und Fernsehsenders. Im Jahre 1976 bestand Gunesh dann ausschließlich aus jungen und talentierten Musikern. Die Band wurde von Murad Sadikov geleitet. Er war Mitglied einer kommunistischen Partei. Gunesh wurde sozusagen aus einem glücklichen Zufall heraus geboren."
ragazzi: "Durften Sie am Anfang von GUNESH die Musik machen, die Sie machen wollten oder wurde Ihnen vorgeschrieben, welche Musik Sie machen sollten?"
Stas: "Murad Sadikov schrieb uns anfangs patriotische Lieder vor. Um an irgendwelche öffentlichen Auftritte zu kommen, waren wir gezwungen einige solcher Lieder in unser Programm aufzunehmen, ansonsten wären uns solche Auftritte verboten worden."
ragazzi: "Wer hatte die Idee Jazz-Rock mit orientalischen Einflüssen zu mischen?"
Stas: "Soweit ich mich zurückerinnern kann hatte keine konkrete Einzelperson diese Idee. Das Leben selber hatte uns "vorgesagt" etwas besonderes zu machen und uns nicht nur auf beispielsweise Volksmusik zu begrenzen."
ragazzi: "Gibt es außer den beiden CDs von Boheme noch unveröffentlichte (alte oder aktuelle) Studio- oder Live-Aufnahmen von GUNESH auf CD, Video oder DVD? Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang den GUNESH-Auftritt bei den Zildjian Days 1997 in Moskau."
Stas: "Nein, viele Aufnahmen sind nur in sehr schlechter Qualität erhalten. Außerdem hatte dieser Rundfunk- und Fernsehsender unsere Auftritte überspielen müssen, so dass das meiste Material überhaupt nicht erhalten blieb."
ragazzi: "Wurde das 35-jährige Bandjubiläum vergangenen März gefeiert, fand aus diesem Anlass gar ein GUNESH-Konzert statt und falls ja, wurde dieses aufgenommen?"
Stas: "Leider konnte dieses Jubiläum nicht gefeiert werden, da wir keinen Sponsor gefunden hatten. Einer hatte uns zwar im Vorfeld Geld versprochen, was jedoch nicht funktionierte, doch hat er uns für Ende des Jahres nochmals finanzielle Unterstützung zugesichert. Wir wissen leider noch nicht, ob etwas daraus werden wird."
ragazzi: "Sind für die Zukunft Konzerte, CD- oder DVD-Aufnahmen geplant? Würden Sie bei entsprechenden Angeboten ein GUNESH-Konzert in Deutschland spielen?"
Stas: "Sollte eine gewisse Nachfrage bestehen, würden wir sehr gerne spielen. Natürlich liegen Aufnahmen - in welcher Form auch immer - in unser aller Interesse, doch erfordert dies sehr viel Geld (Anreise, Studio...)."
ragazzi: "Was machen die bekanntesten GUNESH-Mitglieder heute; sind alle noch in der Musikszene aktiv?"
Stas: "Viele der alten Gunesh-Stammbesetzung hat es in die verschiedensten Länder der Erde verschlagen. Keiner beschäftigt sich mehr so richtig mit Gunesh. Alle haben ihre eigenen Projekte und sind selbstverständlich noch in der Musikbranche tätig."
ragazzi: "Haben Sie noch GUNESH-Material, das auf CD oder DVD veröffentlicht werden könnte?"
Stas: "Leider nicht."
ragazzi: "Gibt es GUNESH momentan noch? Wie sieht die aktuelle Besetzung aus?"
Stas: "Ja, Gunesh existiert noch. Allerdings rekrutiert sich die Band aus völlig neuen Leuten, wobei Rishad Shafi allerdings noch mitmacht."
ragazzi: "Wie sind Sie auf die tolle Idee gekommen eine GUNESH-Webseite zu kreieren?"
Stas: "Ich beschäftige mich bereits seit längerer Zeit mit Computern und für den Internetbereich habe ich mir gedacht eine Website der Band zu gestalten wäre nicht schlecht, weil man über Gunesh eine sehr interessante und umfangreiche Site machen kann. Außerdem wollte ich damit erreichen, dass Leute, die diese Website anklicken, erfahren, dass es eine solche Band gegeben hat, was besonders für musikbegeisterte Menschen, die immer auf der Suche nach Neuem sind, sehr interessant sein könnte."

Frank Bender

Erfasst von YANA Morozova

gunesh.net



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