Daisuke Kunita "Fuzzy Logic" (Intermusic/Musea Records 2007)

Massive Thanks to David Fiuczynski, Bruce Bartlett, Wayne Krantz, and Charlie Banacos for their enlightening lecture and professionalism. Daisuke Kunita dankt seinen Lehrern und verrät damit bereits vor dem ersten Ton, dass er Teil der technischen Jazz Fusion Szene ist. Der Gitarrist hat Jiro Okada (b), Eiji Tanaka (dr) und Kan Sano (p, key) um sich geschart, 7 ausgedehnte, instrumentale Songs einzuspielen, im letzten Stück stößt Eiji Otogawa (ss) zur Truppe.
Mit dem elektrischen Rockinstrumentarium spielt die Band abstrakte Jazzläufe, vertrackte Rhythmen, hoch energetische Virtuosität in explosiver Spannung - Kunita hat nicht nur die richtigen Lehrer gehabt, er hat auch unglaublich Inspiration. Weitere Vorbilder nennt er mit Meshuggah, Scott Henderson, Allan Holdsworth, King Crimson, Chick Corea, Herbie Hancock, Eric Johnson, Steve Vai, Mike Patton (Mr. Bungle), Jimi Hendrix, John Coltrane. Klingt wie Rock, Fusion, Jazz oder Heavy Metal, meint Daisuke Kunita, was nicht so ganz stimmt.
Trotz der instrumentalen Rockorientierung spielt die Band stets Jazz, die Gitarre schneidet die Töne scharf, ohne dabei rockbetont zu werden, das gleiche gilt für das melodisch versierte Bassspiel und die niemals müden, stetig arbeitenden Schlagzeugattacken und vertrackten Rhythmusverschachtelungen.
Allan Holdsworth hat so gearbeitet, in den 80ern bis heute, viele weitere. Rockfans werden vielleicht von der abstrakten Note neben dem elektrischen Klang begeistert sein. Doch sie werden die vitale Kraft und enorme Druckfülle vermissen, die dem Jazzrock in die Wiege gelegt wurde. The Mahavishnu Orchestra knüppelte ihre Songs mit einer Rockhärte, von der dieses Projekt nur träumen kann - aber gar nicht will. Es geht bei Daisuke Kunita um die Nutzung der Rockinstrumente, um Jazz zu spielen. Von wirklichem Rock ist diese Band weit entfernt. Selbst in balladesken Momenten, wie etwa dem 9-minütigen "Tonal Gravity", in dem das Piano wundervoll abstrakte Läufe intoniert und nebenbei auch mal etwas zu schön, zu harmonisch perlt, bleibt die melodische Note in der tonalen Improvisativen weit von jeglichem Kitsch entfernt. Und wenn die Band dann etwas unterkühlt und erwachsen klingt, ihre Spielfreude der Technik unterstellt zeigt und nur nach dem saubersten, feinsten Klang sucht, stellt sich mir die Frage, ob das große Faszination oder leere Luftblase ist.
Gerade in den leisen Momenten klingt die Band gebremst. Um nur nicht in die dreckige Wildheit radikaler Rocktypica zu verfallen, werden harmonische Emotionen unterdrückt und ins nüchterne Jazz-Korsett gezwängt. Die Musik wird beliebig und könnte glatt als Fernsehpausenhintergrundmusik funktionieren, wenn ländliche Idylle über den Bildschirm gleitet.
Die härteren Songs sind weitaus schräger und wilder, fordernder und komplexer. Dennoch aber weit vom ausgelassenen, vitalen Rockspiel alter Jazzrock-Heroen entfernt, einen Sound entwerfend, wie er aus der Asche des Jazzrocks in den 80ern erwuchs. Von technisch orientierten Musikern erdacht, die nicht in die ausgelutschten, alten Fallen tappen wollten, die von immer mehr Bands mit immer weniger Qualität in der zweiten Hälfte der 1970er gespielt wurden. Eine professionelle Musik, intellektuell, emotional keineswegs flach, aber erwachsener, kühler als jugendlich dynamisch-druckvoller Rock, der einfach hinaus will und muss.
"Fuzzy Logic" ist eine exzellente Platte für Electric Jazz Fans, ein Mekka für Gitarrenmaniacs, die Jazz-Fusion lieben, eine virtuose, technische Musik voll Überraschungen, der melodisch vitalen Mitarbeit aller Beteiligten und ausgiebiger Soloarbeit des Gitarristen.

daisukekunita.com
musicterm.jp/intermusic
musearecords.com
VM



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