Lalle Larsson's Seven Deadly Pieces [DVD] (Weaveworld Music 2008)

Pianist/Keyboarder Lalle Larsson ist lange schon kein Unbekannter mehr. In gleich mehreren Feldern und vielen Bands/Projekten ist der Schwede seit Beginn der 1990er Jahre aktiv. Larsson führt solistische Klavierkonzerte auf, arbeitet unter dem Namen "Marimba Flesheaters" mit Thomas Widlund als Piano-Marimba-Duo zusammen (grandios!), spielt mit Karmakanic Progressive Rock, hat Pop, Jazzrock, Metal, Cartoon Jazz Metal und Neue Musik aufgeführt und auf CD veröffentlicht. Die Liste der Bands ist lang, in denen er gespielt hat - und von einigen sind Mitschnitte als Bonus auf dieser umfangreichen DVD enthalten.
Doch vor allem geht es um sein ehrgeiziges "Seven Deadly Pieces" Projekt, das in sieben Parts samt Prolog und Epilog die sieben Todsünden vertont zeigt. Lalle Larsson, der selbst akustisches Piano und elektrische Keyboards spielt, hat ein größeres Ensemble um sich geschart, das aus einem Kammerensemble, Jazz- und Folkmusikern sowie zwei Metalgitarristen und einem -schlagzeuger besteht, zwei Marimbaspieler und zwei weitere Perkussionisten hat, Celli, Flöte, Violinen und Trompete/Flügelhorn.
"Seven Deadly Pieces" ist circa 48 Minuten lang, das melancholisch in sich versunkene Solopianostück, das den Abspann begleitet und nach dem Epilog sehr gut als Abrundung zu dem vielseitigen und beeindruckenden Werk gehört, bringt den Hauptteil der DVD auf die Länge von roundabout 50 Minuten.
Die DVD zeigt nicht immer die Band, dramatisch-dokumentarische Filmfragmente begleiten das Konzert, das in einem Konzertsaal aufgeführt wurde, aus mehreren Kameraperspektiven, die die Schwierigkeit erkennen lassen, dass Konzerte, die (eher) klassischen Charakter haben, auf DVD nicht stetig anschaubar sind, ohne zu langweilen. Gut, dass die Bildverfremdungen, -überschnitte und wuseligen, nicht der höchsten Bildkunst gerecht werdenden Filmideen eingebracht sind, weggucken geht auch. Weghören nicht.
Das große Werk ist sehr vielseitig. Das Kammerensemble ist zu hören, nur von Lalle Larsson am Piano begleitet, in mehreren Parts ist der klassische Anteil hoch, die elektrische Band steigt nicht häufig ein, die beiden Gitarristen haben ausführliche Parts, aber auch längere Pausen. Die ausgedehnten Soli an der Trompete beziehungsweise dem Flügelhorn sind überwältigend. Es gibt lange leisere klassische Parts, die sehr intensiv sind, aber ultraschnell in heftig agogische Passagen ausbrechen können, in denen die beiden Marimbaspieler ganze Arbeit leisten. Im Höhepunkt des Werkes, weiter dem Ende zu, steigt die ganze Besetzung ein und der gewaltige Musikorkan hat bald Present-artige Gewalt, wenn auch stilistisch nicht weiter verwandt.
Es gibt zappaeske Partien, klassische und neoklassische Strukturen, Jazz- und Folkanklänge, vor allem in den Trompetensoli. Die Metalpassagen halten sich zeitlich in Grenzen, sind aber rücksichtslos () eingebracht und beweisen mit ihren tiefer gestimmten Gitarren den ganz bösen Ton. Das Schlagzeug ist samt der begleitenden Perkussion schön komplex und deftig gespielt worden, kommt aber nicht ganz aus sich heraus und bleibt bis auf die ganz aufgefahrenen Momente stets etwas gebremst.
Das Ensemble spielte vor kleinem Publikum, das kaum zu sehen und noch weniger zu hören ist. Applaus gibt es nur marginal, nach den Explosionen. Wie gesagt, die Aufzeichnung ist die Anschaffung nicht des Bildes, sondern des Tones wegen interessant, der Musik. Die ist aufregend und künstlerisch nicht schmalspurig oder schlicht. Zwar habe ich am Anfang das fade Gefühl, die Chose käme trotz metallischer Gitarrenhärte nicht so recht in den Gang, so löst sich das Gefühl doch relativ schnell auf und die Musiker auf der Bühne, nach den ersten Minuten etwas lockerer und entspannter werdend, konzentrieren sich handwerklich geübt und machen ihre Sache gut.
Im dicken Booklet ist die Story zum Werk ausführlich in englischer Sprache nachzuvollziehen. Ein zweites (!) Booklet geht auf Lalle Larsson ein, stellt ihn vor.
Das ist längst nicht alles. Die DVD bietet viel mehr Material. Neben schon alltäglichen, informativen Dingen wie Biografie und Diskografie ist eine Galerie zum Werk zu sehen, Artwork und gar Trailer sind da zu finden und es gibt Audiokommentare in schwedisch und englisch sowie den Kommentar Stefan Rosqvists zu seinem fabelhaften Gitarrensolo in "Seven Deadly Pieces". Das waren die Extras.
Dann kommt die Bonusabteilung: Songs von Marimba Flesheaters (die allein für mich persönlich den Kauf der DVD wert sind und das Duo in virtuosem Spiel zeigt - davon unbedingt eine CD-Aufzeichnung!), zwei Mal Ominox aus den Neunzigern im Konzert, Lalle Larsson spielt in der Jazzrock-Band elektrische Keyboards. Als letzter Part ist Karmakanic live zu sehen und hören. Die Bonusaufzeichnungen sind nicht von bester Qualität, schon gar nicht die Ominox-Aufnahmen, die Kameras waren einfach zu schlecht. Aber der Ton macht die Musik, und der Bonus ist ein Bonus und gut, dass der Sound (samt Bild) hier enthalten ist. Extra veröffentlicht würde das keinen Sinn machen.
Die DVD-Produktion ist eine runde Sache, sehr umfangreich und vielfältig in der musikalischen Sprache. Das Hauptwerk ist eine Wucht, wird Fans von Neuer Musik, Zappa, Progressive Rock und Jazzrock ebenso wie ambitioniert-neugierigen Metalfreaks gefallen, Avant Freaks werden nicht ganz enttäuscht.
Gibt es im Reingold Records Shop online.

lallelarsson.com
reingoldrecords.com
VM



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