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Mediabanda "Entre La Inseguridad Y El Ego" (Gobierno De Chile FONDART 2003, VÖ: 10/04)
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Die Gründung der 10-köpfigen Band Mediabanda ist nur zustande gekommen, weil Chiles Jazzrock-Band Nummer 1, Fulano, auf Grund des Todes des Keyboarders Jaime Vivanco aufgelöst wurde. Saxophonist, Flötist und Sänger Cristián Crisosto und Sängerin Arlette Jequier treten mit 8 jungen Musikern das Erbe von Fulano an und legen gleich zum Start ein äußerst beeindruckendes Jazzrock-Werk vor, das vor allem eine Inspiration tief nachempfunden hat: Frank Zappa. Regina Crisosto (key, voc, 21), Santiago Astaburuaga (b, 23), Diego Aguirre (el-g, sp-g, 20), Sebastián Dintrans (el-g, acc-g, 23), Daniel Linker (p, key, 28), Marcelo Maira (fl, sax, 23), Patricio Bracamonte (tr, 23) und Christian Hirth (dr, perc, 27) ergänzen ein technisch erstklassiges Ensemble, das keinerlei Schwierigkeiten zeigt, komplexeste Hürden leidenschaftlich und spielerisch zu nehmen.
14 Songs umfasst die CD, über 78 Minuten Musik. Im Vergleich zu Fulano ist der Anteil folkloristischer Einflüsse (Canto Nuevo) bei Mediabanda stärker. Auch sind die Songs rockbetonter, härter. Ebenso ist der Jazzanteil groß und fett zu hören. Radikale Bläsersätze mischen instrumental die Songs auf, die während des Gesangs schon nicht liedhaft sind und umso mehr wie geniale Kunstwerke klingen. Der abgrundtiefe Fretless-Bass untermauert vibrierend wie ein Erdbeben die differenzierte Struktur der Songs, von einem äußerst komplex getrommelten und vielfach durch virtuos bedientes Marimba aufgefächerten Rhythmusgeflecht unterstützt.
Keyboards, Bläser und Gitarren meistern gleichberechtigt solistische und improvisative Ausflüge, wobei das Saxophon hin und wieder heftig in Richtung Jazz tendiert und die Gitarre dafür harten, rifflastigen Rock einbringt. Die Keyboards bauen auf Jazz-Fusion-typische Harmonien, die eher starke Disharmonien sind und verwegen zur lebendig-virtuosen Dynamik beitragen. Zwischen 2 und 12 Minuten sind die Songs lang, mal eher auf Gesang orientiert und trotzdem sehr komplex und zappaesk. Dann wieder mit langen instrumentalen Passagen ausgestattet, die das sowieso grandiose und nicht so ganz einfach nachzuvollziehende Geschehen ausführlich verfremden und genüsslich variieren.
Nicht nur das 12-minütige "Jale, copete y pucho" ist ein begnadet genialer Höhepunkt, in dem nach einem ausführlichen Jazz-Impro der fetten Bläserschar mit ausgeflipptem Saxophon-Solo ein ultracooles, mörderisch heißes, gefährlich klingendes und sehr ungewöhnliches Gitarrensolo folgt, von dem ich nicht weiß, ob es Avantgarde oder Metal ist, oder DIE gelungene Mischung aus beidem. Ich weiß nicht, ob ich Fulano nachtrauern soll, wenn ich diese Musik hören darf! (Und natürlich trauere ich Fulano nach, Fulano und Jaime Vivanco, RIP.)
Die Aufmachung der CD ist der Musik entsprechend sehr phantasievoll und künstlerisch. Digipack und Booklet sind eine Augenfreude, liebevoll und schön, spielerisch und doch aufgeräumt zusammengestellt. Wie bei Fulano gilt: Mediabanda ist die Anschaffung unbedingt wert. Ein Muss!
mediabanda.cl
VM
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