Moraine "manifest deNsity" (Moonjune Records 2009)

1979 meinte Stan Getz, einflussreicher Cool Jazz und Mainstream Jazz Saxophonist, Dennis Rea sei ein sehr talentierter Musiker, der sich interessant entwickle. Was er nun, 30 Jahre später (oder besser 29, die 11 Songs des Debütalbums Moraines wurden im August 2008 eingespielt) beweist. Der Gitarrist hat sich mit Ruth Davidson (ce), Alicia Allen (vi), Kevin Millard (b, Baliset) und Jay Jaskot (dr) zusammen getan, instrumentale Musik zwischen Rock und Jazz zu komponieren.
Bis auf den Schlagzeuger, der seinen Part überaus überzeugend beigetragen hat, deftige Härte und verschleppte Melancholie grandios trommelte, haben alle ihren kompositorischen Input geleistet. Dennis Reas Songs sind die jazzigsten, die von Ruth Davidson und Kevin Millard (der nur mit einem Song dabei ist) haben eher Chamber Rock Feeling, etwa in der gefühlten Mitte zwischen Univers Zero, King Crimson und asiatischer Musik. Rea ist dem Mahavishnu Orchestra näher, Terje Rypdal, und John Abercrombie.
Die Band wird selten richtig hart und forsch, die meiste Zeit über lässt sie ihre Songs lässig laufen, entwickelt improvisative Arrangements, mit diversen hinreißenden Soli, kammermusikalischen Interplays und kratzigen Rockparts. Ein dunkler Ton liegt über der Musik, in der versponnene Melancholie sich ausbreitet, aus der jedoch, bevor es ganz düster wird, die Band zu konzentrierten Partien aufbricht, in der wundersam melodisches Spiel mit vielfachen Unisono-Passagen über die dunkle Basis rauscht.
Es wird nie besonders komplex, über allem schwebt ein nachdenklicher Hauch, der die Musik erwachsen macht und die Musiker als konzentrierte, ganz in der Hingabe an ihr Spiel aufgehende Instrumentalisten offenbart, die nicht in Klischees denken und verloren sind in ihrer Hingabe an abstrakte, experimentelle Sphären wie Jazz und Avantgarde, mehr als an Rock'n'Roll.
Und doch ist es Rock, Jazzrock, was die Band da spielt. Manchmal harsch und energisch, wie in "$9 Pay-Per-View Lifetime TV Movies", wo der melodische Rahmen schließlich gebrochen wird und freie Radikale sich entfalten, wenn auch nur für den dafür vorgesehenen kurzen Zeitraum, bis die Band wieder ins abstrakt-melodische Feld wechselt.
Das Spiel aller Beteiligten ist sehr innig und versunken, konzentriert und doch verspielt, forsch und doch lässig, handwerklich exakt und doch mit kratzig harschem Ton. Nichts schreit danach, sich beweisen zu wollen. Das Quintett macht schlicht, wozu es tiefste Lust antreibt, und macht seine Sache sehr gut. Die Songs sind gut gelungen, die steten instrumentalen Finessen, thematischen Wechsel und emotionalen Sprünge von verträumt leiser Klangverrinnung bis zu hart auffahrendem Rock, der wieder verblüht und in solistischem Jazz ausläuft, sind beeindruckend.
Und doch, da steckt in den Songs so eine gewisse Unnahbarkeit, eine, ich will nicht sagen hochnäsige, aber universitäre Kühle, die den Reiz der lebhaften Einspielung zwar nicht raubt, ihr aber Rasanz und radikale Härte nimmt. Trotzdem: schönes Teil!

myspace.com/moraineseattle
dennisrea.com
moonjune.com
VM





Zurück