Sascha Muhr "A Stare Into Space" (Eigenproduktion 2007)

Sascha Muhr ist Baujahr 1989. Mit 18 Jahren veröffentlicht er sein Solodebüt "A Stare Into Space" - nach solch einem Debüt, was wird da noch alles kommen? Es braucht musikalischen Freigeist, diese Sounds und Klänge zu lieben, und einige Offenheit, einiges Hörgefühl, sich darauf einzulassen, die Stücke zu erobern, anzunehmen. Was hier in 9 Tracks zu hören ist, hat mit ‚Songs' und dergleichen nichts zu tun. Von Eingängigkeit kann hier nicht die Rede sein, nicht von Radiotauglichkeit. Das ist keine Platte, die schnell mal eine Stunde verkürzt, zum Bier, zum Pogen oder Matteschütteln einlädt. Obwohl Sascha Muhr das handwerklich gewiss auch drauf hat, nur eben keine Ambitionen dazu.
Sascha spielt Gitarren, Tabla, Synthesizer, Violine, Weingläser, lässt Sounds erklingen, hat programmiert, manches, was hier zu hören ist, war geplant, anderes nicht. Im Booklet steht: sounds (intentional, non-intentional and digestive-sort-of). Alles hat er selbst getan, die Kompositionen, die Einspielung, die Produktion, nicht zuletzt Konzept und Artwork. Was macht er am Nachmittag?
Im Alter von 13 Jahren hat er sich für Rockmusik interessiert, bald darauf begonnen, die E-Gitarre zu erobern, mit Lehrer. An der Musikschule begann er sich mehr und mehr für instrumentale Musik zu interessieren und stieg in die, immerhin gibt es, meine Hochachtung, in Rottenburg-Ergenzingen so etwas, Jazz-Fusion-Band der Musikschule ein. Schließlich explodierte sein Musikinteresse, mit Fokus auf Neue Musik, Worldmusic und Fusion.
Mit 16 Jahren komponierte er erste Songs und im Februar 2007 begann Sascha, das Konzept für diese CD, sein Großprojekt, auszuarbeiten.
Die neun Stücke sammeln 65 Minuten Musik. Stilistisch sind Saschas Ideen nicht leicht festzumachen, er erzeugt atmosphärische Klänge, die mal melancholisch-düster, dann verträumt, oder schließlich auch aggressiv, vital und äußerst lebhaft sein können. Auf der Basis elegischer Sounds, die wohl vom Synthesizer stammen, ebenso aber auch auf der elektrischen Gitarre gespielt sein können, und wie Traumgebilde unterschwellig dösen, spielt Sascha erstaunlich melodische und erstaunlich sanfte Melodiemotive auf der elektrischen Gitarre, die neben großem handwerklichem Geschick ein gutes Ohr, einige Inspiration und viel Sensibilität verraten.
Angenehm ist die lockere Atmosphäre, vieles scheint verspielt, aus dem Moment gegriffen, hat dazu aber zu viel Inhalt, ist dazu zu vielschichtig, zu harmonisch und geräumig. Sein Faible für harmonische Strukturen ist nicht gering ausgearbeitet. Die Stücke fließen angenehm, ohne seicht oder oberflächlich zu sein. Ein ähnliches Werk hat in den 1980er Jahren ein Jazzgitarrist eingespielt, der verhallte Klang der Gitarre und der tonale Rahmen haben Ähnlichkeit, leider ist mir, Morbus Parkinson lässt grüßen, der Name entfallen. (Irgendwo habe ich aber gewiss noch die Platte!)
Es gibt Parallelen zum Jazz, zur ambienten Musik, zur Fusion. Aber nirgends passt "A Stare Into Space" hinein. Der Name deutet es an, die CD ist ein verträumtes Gedankengebilde. Ein Album, auf das er stolz sein kann und in das wir unbedingt reinhören sollten!

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VM



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