Naamah "Resensement" (Metal Mind Records 2004)

Naamah spielen einen eklektischen, modernen Stilmix aus Neoprog, Prog Metal und Ambient. Anna Panasz (voc), Adam Kaliszewski (g), Mikolaj Szalkowski (g), Adam Szewczyk (b) und Krzysztof Szalkowski (dr, perc) nutzen schon mal bekannte Terrains, greifen in die Trickkiste und entwerfen Harmonien und Arrangements, die bereits bekannt sind, zumeist jedoch arbeiten sie sehr eigenständig und unvergleichlich. Ihre harten Stücke sind sehr komplex, immer wenn Naamah die Songs ins lyrische umkippen, entwirft sich ein episches Klima und verhaltene, schlichtere, aber atemberaubend harmonische Motive strömen aus den Boxen. Naamah gehen forsch an die Ausarbeitung ihrer Songs, obwohl die Stücke schon mal über 10 Minuten lang sind, gibt es keine abgedroschene Langatmigkeit, solche Fehler weiß die Band zu vermeiden. Stattdessen drängt sich schon mal der frappierende Vergleich zu den Holländern The Gathering auf (Severed).
Insgesamt spielen Naamah ihre knackigen Songs schön hart, nicht unbedingt Metal, aber mit demselben Augenmaß. Die einzelnen Instrumente sind nett aktiv, die Arrangements vielschichtig. Schönster Song ist meines Erachtens das instrumentale "Red light", in dem die Band sich selbst zu toppen scheint. Der harte Track überrascht mit griffigen, rasanten Motiven, die perfekt verzahnt sind. Gute Sache, die trotz der komplexen Komposition gut in die Sinne geht.
Das Negativbeispiel bringen Naamah mit "Daydream Part Two", zur Ergänzung des die CD eröffnenden Part One eigentlich ein gutes Gegenstück, das sich aber mit den vielen Loops und elektronischen Spielereien in den Mainstream zum Dance-Zeitgeist entwickelt, vor allem mit der Gesangslinie, die Anna viel zu popverliebt singt. Das ist misslungen. Besser sind dafür die beiden angehängten Bonustracks. Die polnische Version von "Subsistance" zeigt, wie gut die flüssige polnische Sprache zum Neoprog passt. "Twoja" ist eine melancholische Pianoballade, still zerfließend, wieder mit grandiosem Gesang von Anna, davon hätte durchaus mehr auf der CD sein können. Fazit: viel Licht mit ein paar krassen Einbrüchen. Die positiven, überraschenden Songs sind weit in der Überzahl. "Resensement" ist ein tolles Album, das vielleicht gar für neuen Geist im ausgelaugten Neoprog-Metal sorgen kann.

http://naamah.rockmetal.art.pl

VM




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