Public Eyesore / eh?

Public Eyesore in Omaha, Nebraska, startete 1998 als anachronistisches Kassettenlabel von Bryan Day für seine Projekte Sistrum und Prototype Earthborne, wechselte mit Jorge Castros The Joy and Rewards of Repetition (pe17) 1999 noch etwas stotternd zu CD-Rs, zeigte dabei ein Faible für japanische Connections, spickte das Programm allmählich neben Noise und Drones mit Improvising und wenn dann Electric Kitten Vomit mit The Avant-Garde Revolts (pe39) auftaucht, kann ich mir 1000 Worte sparen. Mit Ernesto Diaz-Infante & Bob Marsh (pe49) und Aidan Baker (pe52) kamen 2002 erstmals Namen, die mir was sagen. Gitarren spielen eine prominente Rolle, Lo-Fi ist kein Hindernis, weiterhin findet sich etwa das Emergency String Quintet (w/ B. Marsh & Damon Smith) neben japanischen Knallfröschen wie den Wonwons. Pagú (pe60) von Monotact wurde als LP gepresst, Superfine (pe67) von - ha - Jad Fair & Jason Willett war 2003 die erste professionelle CD. Modern Day Urban Barbarians (pe71) marschierten nach wie vor Schulter an Schulter mit Leuten wie Jesse Krakow (pe79) und Amy Denio (pe89), Blue Collar (pe81) spielte als Vorgruppe von The Che Guevara Memorial Marching (And Stationary) Accordion Band (pe85). Allein schon We Are (pe97) von Emily Hay & Marcos Fernandes oder die Devotional Hymns for the Women of Anu (pe86) von Autodidact veröffentlich zu haben, das den Titel ‚Cry Me A River, Elizabeth Nietzsche' enthält, hätte das ganze Unternehmen gerechtfertigt, das mit eh? wieder auf eine CD-R-Reihe abzweigt, die sich Musiken widmet, die exakt die Reaktion hervorrufen - eh?

Auf die 60 Metonymies (pe108) von Tartar Lambs, ein Projekt von Kayo Dots Toby Driver, folgt nun BOB MARSH mit Viovox (ps109). Der Cellist & Violinist aus der Bay Area jagt seinen Instrumentalklang, Wortfetzen und Samples durch Prozessoren, die Verzerrungen und Halleffekte hervorrufen. Loops mit kaskadierenden Flirrsounds mischen sich mit meist unverständlichen Vokalisationen, Wörter, halbe Sätze, die offenbar mehr Klang- als Sinnträger sein wollen. Marsh nennt es Rantings, Ravings, Sermons, sogar little operas, was aber als kleine Werke gelesen werden sollte. Ein Schauer von Stringmolekülen jagt den nächsten. Manchmal verdichten sie sich zu Klangnebel- oder -wolkenfetzen. Die einmannorchestralen Effekte sind reichlich effekthascherisch und es gibt da einen prätentiösen Beiklang von Reeling and Writhing for the umpteenth time through Finnegans Fake.

BOB MARSH, ein Cellist & Violinist aus der Bay Area, jagt bei Viovox (ps109) seinen Instrumentalklang, Wortfetzen und Samples durch Prozessoren, die Verzerrungen und Halleffekte hervorrufen. Loops mit kaskadierenden Flirrsounds mischen sich mit meist unverständlichen Vokalisationen, Wörter, halbe Sätze, die offenbar mehr Klang- als Sinnträger sein wollen. Marsh nennt es Rantings, Ravings, Sermons, sogar little operas, was aber als kleine Werke gelesen werden sollte. Ein Schauer von Stringmolekülen jagt den nächsten. Manchmal verdichten sie sich zu Klangnebel- oder -wolkenfetzen. Die einmannorchestralen Effekte sind reichlich effekthascherisch und es gibt da einen prätentiösen Beiklang von Reeling and Writhing for the umpteenth time through Finnegans Fake.

In SHELF LIFE lässt sich ein Quartett aus Alex Boardman, Joseph Jaros, Andrew Perdue und Labelmacher Bryan Day entziffern, die auf Rheuma (eh?27, CD-R) dem gemeinsamen Faible für bruitistisches Tripping frönen. Gitarrengekrabbel, Electronoise, Bassgebrumm, gespenstische Vokalisationen brauen sich zusammen zu einer Art Spacemusik der mulmigeren Sorte, freakisch und alien, lo-fi, diffus, ursuppig. In irdischen Gewässern würde man das sarkastisch ‚Rheuma' getaufte Raumschiff Seelenverkäufer nennen, ein rostiger Kahn für illegale Missionen, mit lauter Galgenvögeln an Bord, die das ungute Rumoren des Antriebs abgebrüht überhören. Ängstliche Gemüter würden statt lose klackenden Eisenteilen eine Totenglocke bimmeln hören, in den Funksprüchen abgehörte Fahndungsmeldungen. So tuckert man mitten hinein in infernalisch brausende kosmische Wirbel, die sämliche Nieten in sämtlichen Spanten ächzen lassen. Hier aber ist das Routine und die Crew schaut bei dem Gedröhn trotz allem bedenklichen Gezwitscher der Bordcomputer nicht einmal aus ihren zerfledderten Lem- und Ballard-Taschenbüchern auf.

Hinter GIRAFFE steckt erneut Joseph Jaros zusammen mit Luke Polipnick, die ihre ‚andere' Musik in Lincoln, Nebraska, machen. Jaros ist Multiinstrumentalist und auch aktiv mit Howloosenation und Howard, Fine, Howard, Polipnick spielt Gitarre bzw. Drums oder Laptop etwa mit Volcano Insurance und in Nagaoag, einem Duo mit Bryan Day. Wenn man ihrer Einladung Hear Here (eh?29, CD-R) folgt, hört man durchwegs irdische Geräusche, Vögel, Radioschnipsel, Babytalk, elektronisches Knurschen, Wabern und defekten Sprechfunk, der nur noch ein stottriges Zirpen ist. Den noisigen, furzelnden Verlaufsformen und stechend zickzackenden Störungen merkt man die Freude an chaotischen, kinderfreundlichen Verhältnissen an, die sich weder um Fidelity noch um Selbstdisziplin schert.

(D)YNAMIC (B)ROWN (H)IPS in Bloomington, Indiana, kurz D.B.H., schwelgen bei Wave the Old Wave (eh?31, CD-R) in Ayleresker Fire Music, die auch so lo-fi daher kommt wie ein Bootleg aus Slug's Saloon. Justin Rhody, Clare Hubbard & Keith Wright an Trompete, Saxophon & Drums geben sich als urige Kellerasseln des Free Jazz, die für eine herrliche Kakophonie ihr letztes Hemd hergeben. Wenn D.B.H. (diameter at breast height) verstärkt mit Slideposaune, Geige & Blockflöte und Kontrabass zu Sechst antreten, wird das Ganze etwas verplinkter und grobmaschiger, aber immer wieder mit Schüben von The-Time-is-Now-Herzblut aus den aufgeschlitzen Handgelenken.

MARINA HARDY, auch The MS. genannt, spielt angeblich zwei Dutzend Instrumente, aber FdW (Vital) hat ihr Pink Violin (eh?32, CD-R) in Samplingverdacht. Sind die Balkankapelle von ‚Cowgypsy' Fake oder Heimarbeit, die Metalgitarre von ‚Zoom' selbst gespielt oder geklaut? Hardys Eklektizismus klingt so oder so erstaunlich, cheesy und sehr abwechslungsreich. ‚Trummpet' schichtet Trompetenhall über eine wischelnde Drummachine. ‚Spanish' groovt halb balkanesisch, halb spanisch und kommt mir doppelt spanisch vor, Lars Hollmer könnte es nämlich auch nicht besser. ‚Red Teeth' verblüfft als Akustikgitarrendrehwurm. Miss Hardy, who are You? ‚Yip Yip' ist ein perfektes Arrangement für Piano-Schlagzeug-Bass, ‚Yowar' ein swingend virtuoser Twanggitarrensong im alten Stil, mit Orgel und tollem Kontrabasssolo. ‚Ceisel' besticht als Schlangenzungensolo für zwei Geigen, das die letzten Augenbrauen hoch ziehen dürfte, ‚Noow' beginnt gleich in Donaueschingen, landet aber unversehens im Dschungel. Gershwins ‚It Ain't Necessarily So', einer meiner persönlichen Evergreens, kommt dann so straight und gekonnt, wie es gekonnter nicht sein könnte. So schamlos kann man doch nicht Samplen, oder doch? ‚Dollering' schließt als Melancholie in Jazz mit Herzensbrechergeige zu Nighthawkpiano und samtigem Bass. Marina Hardy, geheimnisvolle MS. Kaum eine irdische Frau hat sich je zu solchen musikalischen Einflüssen bekannt wie Du (myspace.com/marinachardy) und die Legasthenie steht Dir wie ein Silberblick. Aber...

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rbd / bad alchemy



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