Riverside - Voices In My Head (Artrock.PL 2005)

Die polnischen Top-Newcomer des Jahres 2004 sind gerade dabei, sich um ihr zweites Album zu kümmern. Da dieses aber erst Ende 2005 (dann bei InsideOut!) erscheinen wird, legen Riverside, um den Fans das Warten etwas zu verkürzen, schon mal eine EP mit 5 neuen Titeln und drei Liveaufnahmen, die am 15. Mai 2004 in Warschau entstanden sind, vor.

Zunächst noch eine Personalie: Jacek Melnicki, der Keyboarder vom Debüt "Out Of Myself", hat die Band schon seit längerem aus "persönlichen Gründen" verlassen. Für ihn ist nun Michal Lapaj an den Tasten tätig, der wohl auch schon bei den Live-Aufnahmen dabei war. Die anderen sind die "altbekannten" Mariusz Duda (Gesang, Bass), Piotr Grudzinski (Gitarre) und Piotr Kozieradzki (Schlagzeug).

Diese sogenannte "limited EP" zeigt eher die ruhige Seite von Riverside. Bei den Credits steht bei "Music" lapidar "Riverside". Es sollte mich aber nicht wundern, wenn Sänger und Bassist Mariusz Duda hier ziemlich federführend gewesen ist, denn er ist von seiner Vergangenheit her am tiefsten im Prog verwurzelt, während die beiden Piotrs ja eher aus dem Metal kommen. Über den neuen Tastenmann gibt's noch keine Informationen.

Es gibt viel akustische Gitarre, schwebende Keyboards und sehr zurückhaltendes Drumming. Songs wie "Us", "Acronym Love" und "The Time I Was Daydreaming" verbreiten eine geradezu unwirklich-schwebende Atmophäre, getragen vor allem von der aussergewöhnlich schönen Stimme von Mariusz Duda. Zunächst wirken die Stücke unspektakulär, geben aber nach und nach ihre versteckten "Gimmicks" preis und wirken dann umso nachhaltiger. Gerade Fans der ruhigeren, psychedelischeren Stücke von Porcupine Tree und etwas ferner auch Pink Floyd dürften hier einiges Futter finden. Das ausgedehnte Gitarrensolo am Schluss von "Acronym Love" lässt einem richtig die Schauer über den Rücken laufen. "Stuck Between" schlägt sogar eine Brücke zu trip-hoppigen, ambientartigen Klängen, eher ungewohnt für Riverside.

"Dna ts. Rednum or F. Raf" (Tipp: Einfach mal rückwärts lesen ;-) ) bietet dann eher den "gewohnten" Riverside-Sound: Atmosphärischer Neoprog mit leicht orientalischem Touch trifft auf immer härter werdende Gitarren bis zu einem fast kathartischen Finale. Klasse, für mich der stärkste der neuen Songs.

Als Bonbon gibt es noch drei Live-Aufnahmen aus 2004. Ja, diese Aufnahmen entstanden noch vor der weltweiten Veröffentlichung des Debütalbums. Aber "Out Of Myself" war in Polen bereits in 2003 erhältlich, bevor es in 2004 über "The Laser's Edge" veröffentlicht wurde.

Auch hier gibt es eher ruhigeres Material, wenn auch bei "Out Of Myself" und am Ende von "Loose Heart" der Gashahn etwas weiter geöffnet wird. Aber die Magie, die Riverside auch live auszustrahlen vermögen, wird schon deutlich. Gerade der Einstieg in "Out Of Myself", wenn Mariusz Duda "...voices in my head..." wispert und dazu der Bass losbollert, ist Gänsehaut pur. Die drei Songs sind auf jeden Fall gelungene Appetithappen, welche die Vorfreude auf Live-Auftritte von Riverside richtig anheizen. Dieser Vorfreude wird die Band auch gerecht, wie der Rezensent mit eigenen Augen und Ohren bei zwei Auftritten in Erlangen und Würzburg im April 2005 erleben durfte. Riverside sind live eine Bank und es sei jedem empfohlen hinzugehen, wenn ein Konzert in der Nähe stattfindet.

Allerdings: Für Fans ist diese EP natürlich unverzichtbar, alle anderen könnten wahrscheinlich auch auf das neue reguläre Studioalbum warten, da die EP ca. 11 EUR bei den meisten Versendern nicht unbedingt ein Sonderangebot darstellt.

riverside.art.pl

Thomas Kohlruß



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