Schizofrantik "Live" (Herzberg Verlag 2008)

Nachdem der Fürst der kleinen Bühne auf dem Hippiefestival und proghauptamtlich Rock'n'Roll-König seines Würzburger Freakshow Artrock Festivals, Progaltmeister und Prog Mailorder Anbieter, Freak Charly Heidenreich, seine kurze Ankündigung als ersten Track der CD dem neugierigen Volk zu Füßen legte, hebt die Schwesterband der Panzerballerinnen mit enormer Frickelkraft zu 45 Minuten langer Großtat an.
Jan Zehrfeld ist hier zweiter Gitarrist, sein in Panzerballett an zweiter Stelle stehende kongeniale Saitenbegleiter Martin Mayrhofer hat hier das Sagen und Singen. Dominik Palmer spielt den fetten Wumms-Bass, Markus Lamek die sphärischen Keyboardsounds, Powertrommler Andy Lind hält seine persönlichen Speedattacken zurück und untermauert die komplex metallisierten Tracks mit Druck und enormer, differenzierter Härte.
Schizofrantik sind wie Panzerballett kaum einfach einzuordnen, viel eher aber als die grandiosen Ballettwalzen. Metal und Progmetal paaren sich mit Funk, Jazz und Rapgesang. Gleich der Einstieg zeigt, dass die Ideen Mayrhofers mindestens ebenso komplex können wie die des Osterhasen Jan Zehrfeld.
Der Sound des 44-minütigen Auftritts auf dem Burg Herzberg Festival am 22.07.2007 hat gewiss keine Studioqualität, die dezent ungeordneten, live leicht verwischten Arrangements wird Martin Mayrhofer im Studio weitaus ausgefeilter aufnehmen. Dafür gibt es ordentlich Dynamik im forschen Spiel der Truppe.
Einige der Kompositionen haben einen kopflastigen Ansatz, schaffen aber den Sprung ins dynamische Spiel. Den Songs wohnt einige Komplexität inne, die ausgefallenen Gitarrensoli sind Aufsehen erregend. Jazzrock, Heavy Funk, Metal und Zappaeskes treffen sich zur Frickel-Ekstase. Die Mittelparts einiger Songs sind erstaunlich ruhig, hier kommt die Kopflastigkeit durch. Wenn die Band lauter wird, steckt im Spiel ein harscher, rauer Ton, der sehr gut ankommt. Die Songs enden erstaunlich abrupt, plötzlich und unvermittelt ist so ein Stück zu Ende und das nächste folgt. Dafür gibt es keine großen Pausen zwischen den Tracks, der Band war ihr Zeitlimit bewusst, so gibt es nach dem 5. Song nur eine kurze Bandvorstellung, und weiter geht's. Vielleicht hat das dazu geführt, dass eine nervöse Note in der Performance zu spüren ist.
Tolles Konzert, guter Einstand. Die exzellenten Musiker werden Martin Mayrhofers Ideen im Studio gewiss noch einigen Schliff verpassen. Dann wird der scharf-raue Ton der Band einen anderen Ausdruck haben. Solange: live hören!

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VM




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