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Sleepytime Gorilla Museum In Glorious Times (Equilibre Music, EM 013, 2007)
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All the desperate people in this town / are coming out tonight / They'll be here soon... Es braucht nur diese beklemmenden Zeilen, um den Atem beraubenden Auftakt des Sleepytime-Auftritts auf dem Freakshow Artrock Festival 2007 in Würzburg zu beschwören. Mit In Glorious Times schickt einen die Band aus Oakland erneut in das schwarze Feuer ihrer Visionen, die diesmal überschattet sind durch den Tod von Nils Frykdahls Bruder, dem Outsider-Künstler und inspirierender Illustrator des Idiot Flesh- und Sleepytime-Fegefeuers Per ‚Ward C. Picnic' Frykdahl (1969-2005). Seinen Skizzenbuchkritzeleien bilden das Artwork des diesmal bei einem französischen Label erschienen Anschlags auf die Gemütsruhe. Immer wieder hört man seine Telefonstimme, mad, drunk and deaf, während ihm ‚The Salt Crown' aus den Haaren tropft. Morbide Motive überwiegen die revoltierenden des Vorgängers Of Natural History (2004) - ‚Helpless Corpse Enactment', ‚Ossuary', das elegische ‚The Greenless Wreath' - live ein wahrhaft magischer Moment. Wenn im Chor At last in the trembling leaves / This bone-cage slips away / Lost in the shivering trees / Your absent voise is clay erklingt, dann überlaufen mich Schauer, und bei der Zeile Hungry for your desperate dreams, stehen mir die Tränen in den Augen, wie sonst nur bei Cold Case, wenn am Schluss die Toten grüßen. Die Lyrics des zombiesken ‚The Companions' stammen zum Teil von einem Grabstein in New Mexico, während Carla Kihlstedt bei ‚The Only Dance' Wallace Stevens zitiert und bei ‚Angel of Repose' Louise Bourgeois. Wenn sie Did the night invade the day? Or was it day invade night? singt und I buried the dead and they came laughing, dann ist man im Zentrum des Sleepytime-Mysterienspiels. Das bevölkert wird von Ghouls, Beowulfs Grendel, Pers ‚Putrid Santa' und von uns, ‚total fucking Freaks' und Möchtegern-Königen, denen man ohne eine gehörige Portion Sarkasmus nicht gewachsen wäre. Kihlstedts Geige ist präsenter denn ja, der Henry Cow-Einfluss besonders in der von Drummer Matthias Bossi, der Percussion von Michael Mellender und Dan Rathbuns Bass & Sledgehammer-Dulcimer vergatterten Polyrhythmik immer wieder hörbar. Nur dass dieser ‚Rock against Rock' ständig kollidiert mit den Black Metal-Faible von Mellender und Frykdahl. Und mit einer Theatralik daher kommt, die Bossi mal beschrieb als "shabby chic Victorian meets Kabuki make-up/samurai warrior meets corpse." Wobei sie dabei sind, in individuelle Rollen zu schlüpfen - Mellender als Imker, Rathbun als Schmied, Bossi als Tennisspieler anno 1890, Frykdahl natürlich als ‚some Jesus-like figure in a nightgown'. Spiel und Ernst sind dabei siamesische Zwillinge, die Lust entspringt dem grotesk gesteigerten, dann wieder herzzerreißend zarten Wechselspiel von Nacht und Tag, Trauer und Gelächter. "Incongruity is beauty" (M. Mellender). SGMs Ästhetik lebt von Widersprüchen und Missverhältnissen. Nur Konformismus ist hässlich. Mellender macht kein Hehl daraus, dass SGM versucht, die makabren Antagonismen der ‚verkehrten Welt' hörbar zu machen, wenn er davon spricht, dass "the incomprehensible irreality of the waking world...the true reality of dreaming" überfällt. Kihlstedt, halb Engel, halb Dagmar Krause in einem Szenario aus Art Bears (‚The Only Dance'), Foetus und Metalblitzgewitter, und neben ihr Frykdahl, aus dessen rauen Growls ein verführerischer Dämon spricht, und man weiß nicht, wo die Trennlinie zwischen beiden verläuft. Dazu immer wieder Chorgesänge und insgesamt eine in sich gebrochene musikalische Komplexität, ein Drama aus brutaler Verdichtung, stakkatohafter Beschleunigung und unvermutet lyrischer Sublimität, das jedem stupiden Nihilismus spottet. I buried the dead and they came laughing, / I planted the laughter, it came up singing. / I planted the song and it came fighting...
equilibremusic.com
rbd / bad alchemy
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