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Solborg "4+4+1" (Ilkmusic, 13.07.2012)
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Gute instrumentale Musik jedweden Genres vermag es, Dich rauszuholen. Konzentriere Dich, sei jeder Sekunde bewusst - sie wird Dich entführen. Du lässt die Zügel fahren und schwebst in der brodelnden Musikmaterie.
"4+4+1" braucht zwar ein wenig, um in Gang zu kommen. Zwei Minuten etwa. Dann läuft der Motor auf Hochtouren und der Sound ist abgefahren.
Die Band heißt nach ihrem Chef Mark Solborg (g), der für die Kompositionen steht. Vermutlich sind die 5 ausgedehnt langen Tracks - von Songs kann die Rede nicht sein - kaum insgesamt komponierter Struktur. Einzelne Themen sind die Basis, aus denen, ganz nach Energiegehalt, die Chose pulsiert, die Mitarbeiter in konzentrierter Magie versinken. Mark Solborg ist Gitarrist und steht in seiner eigenen Musik kaum im Mittelpunkt. Zwar trägt er in drei Tracks eigene Soli bei, im ‚allgemeinen' Bandinterplay indes ist er in der Meute der aufgeweckten Bläserschar kaum auszumachen.
Solborg spielen Avantgarde Jazz mit Tendenz zu Folk und Free Jazz, wobei ‚Folk' eher gefühlt wahrzunehmen und kaum konkret auszumachen ist. Schlagzeuger Bjørn Heebøl ist Funk, Soul und Rock geübt, sein kraftvoll kerniges Spiel ist von üppiger Differenziertheit und kaum gewillt, im Off zu wirbeln, arbeitet an vorderster Melodiefront mit. Die Bläserschar Anders Banke (ts, b-cl), Gunnar Halle (tr), Laura Toxværd (as), Torben Snekkestad (ts, ss, cl), Jakob Munck (tu, tb) und Chris Speed (ts, cl) baut den erhabenen bis wild aufgeregten Melodiereigen, in dessen Wirbelwindpuls Gitarrist Solborg wenig präsent ist. Mit starkem Impuls indes beackert Bassist Jeppe Skovbakke den Bläsersturm, wobei er stabile Basis baut und im Gewüte mitbrüllt.
Alle Beteiligten halten sich nicht zurück und bringen eigenen Charakter ein. Die Vielfältigkeit ist prachtvoll und üppig, selbst in lasziv eingefallenen Passagen, wenn das Ensemble sanftmütig ambiente Motive zart, aber forsch über weite Minuten trägt. Unisonoläufe, die beinahe an Military erinnern, an Marschmusik, wie eine europäische (etwas bravere) Variante von Albert Ayler wirken, nur kurz, als Anekdote eingestreut, haben ungemein Faszination in ihrer derb disharmonischen Freizügigkeit und anarchischen Anstrengung. Die Kompositionen sind sehr gut gelungen, die Einspielung grandios, sehr lebhaft, virtuos und inspiriert, stets Freiform und Improvisation im Sinn, die an konzentrierten Sammelpunkten zur komponierten Basis zurückkehren, um zu neuen Exegesen aufzubrechen.
Kaum muss es gelingen können, der Musik konzentriert und dauerhaft bewusst zuzuhören, immer wieder entfleuchen die Fäden, breitet sich der tonale Raum weit entfesselt aus.
Fabelhafter Avantgarde Jazz, Gourmet-Musik.
solborg.dk
ilkmusic.com
VM
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