Markus Stauss "Neolithicum" (Fazzul Music 2004)

Das beginnt tief. Noch tiefer. Gaaaaanz tief! "Neolithicum" sammelt Bass Saxophon Soli (& Extras) des Schweizer Saxophonisten Markus Stauss, der vor allem mit der "schrägen" Combo Spaltklang bekannt geworden ist. Spaltklang gehört noch zum Reigen der Rockmusik, wenn sie da auch die herkömmlichen Sichtweisen ausbeult. Doch dieses grandiose Solo-Projekt hat mit nix was zu tun und ist nur reine Hörfreude.
Gewiss, wer sich nicht aus seinen eingefahrenen Hörvorstellungen und stilistischen Ansprüchen lösen kann, wird entsetzt sein über diese eigenartigen Laute, die aus einer Tiefe kommen, die man nur noch im Bauch fühlen kann. Doch wer sich frei macht und neugierig ist auf außergewöhnliche, urige Klänge, Laute, Töne und eigenwillige Harmonien, der kann hier ganz nette Erfahrungen sammeln. Die Sounds sind alles andere als bierernst, das Geflatter und Geknatter, das Gebrassel und Gequietsche ist witzig und anmutig, keineswegs schräge Kunst, bei der einem die Ohren abfallen oder das Hirn weh tut. In aller Kunst, aller Avantgarde, usw., nun, seinem Anspruch, Klang und Musik zu sein, entführen die teils schroffen und brummelnden, kratzigen und knarzigen Laute melancholisch, ohne dass man davon viel merkt, oder sich darauf schmerzhaft einstellen muss.
Alle Klänge haben ihren Ursprung im Bass Saxophon. Einige sind pur, andere, wie Markus Stauss im Booklet schreibt, sind mit Extras verändert worden. Extras sind etwa Akai Sampler S 612, Korg Digital Delay SDD 3000, da steht noch was von einem Yamaha WX 11 Digitalhorn (Digitalhorn? - Yamaha schreckt auch vor nichts zurück!). Aber solche Details sind im Hörgenuss völlig unwichtig. Am besten, ihr macht das Licht aus, macht es dunkel, noch dunkler, gaaaaanz dunkel! Und hört euch "Neolithicum" (nicht gar so laut) an.
Kriecht in das riesige Instrument hinein und spürt das Kribbeln im Bauch! Für Schwangere gewiss ungefährlich (gibt es heute noch Schwangere?) und gut zu genießen.

fazzulmusic.ch
VM



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