Toxvaerd/Anderskov "Phone Book" (Ilk Music 2012)

4 Tracks sind auf der CD, zusammen 30 Minuten Musik. Zwei leise Tracks, zwei freie Stücke. Opener "Androidangle" (7:32) ist eine zart melancholische Ballade, Jacob Anderskov (p) trägt mit dunkel schleppendem Motiv weit in den Song hinein, bis Laura Toxvaerd (as) mit übersteuert klingendem Saxophon einsteigt, dessen Töne wie von Schellackplatten oder aus Uraltfilmen klingen, was der verstaubt prächtigen Komposition den echten nostalgischen Charme gibt, obschon die Nummer an sich eher bieder als tiefgehend ist und den langen Einstieg in die kurze Platte ganz überzeugend starten lässt. "Barking" (6:51) im Anschluss hat ein illuster atonales Motiv, das bereits mit dem ersten Ton überzeugt. Die Lebhaftigkeit steht dem Duo gut, Jacob Anderskov ist prächtig am Klavier, sehr elegant, virtuos, farbenfroh und frech spielt er auf, Laura Toxvaerd hat, so mein Eindruck, zu tun, mit dem Phantasten an den schwarz/weißen Tasten mitzuhalten, was sie laut spielen lässt - das übertönt manches Motiv und macht es rau, nimmt ihm Tiefe. "Fishbone" (7:14) dämmert wieder verhangen durch verträumte Minuten, in denen beide Protagonisten versunken scheinen, musikalisch Gedanken nachhängen. Sehr hübsch!
Die letzte Note, "Cacklecabin" (8:28), setzt wieder auf Expression und energischen Witz. Sehr nett, wie der klassisch ausgebildet klingende Pianist gegen die dezent an John Zorn erinnernde Saxophonistin angeht. Beide stehen gut im Rennen und haben hörbar Freude an der kraftvollen Zerstörung.
Während die Balladen zu Qualität neigen, sind die virtuosen Atonalwitze nur ungemein amüsant und das große Plus der Platte. Zwar wissen Toxvaerd/Anderskov zu melancholischer Versunkenheit anzusetzen, viel mehr aber haben sie ein Händchen für rasante, wohl überlegte und radikale Freiform. Vielleicht sind die Konzerte länger als dieses nette Kleinalbum.

lauratoxvaerd.dk
ilkmusic.com
VM





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