Jean Chaine and his Ulterior Lux "The Dancing Man" (Fazzul Music 2005)

Die Zusammenarbeit der drei Musiker Jean Chaine (b, voice), Markus Stauss (saxes, extras) und Dimthingshine (dr, voice) im Juni 1990 unter dem Namen Jean Chaine and his Ulterior Lux war, so klingt es, eine lustvolle Herausforderung für alle drei Musiker. Die 10 Tracks der CD, 1990 auf 2LP erschienen (Exemplare der LP sind nach wie vor bei Fazzul Music bestellbar), wurde live in der Kuppel in Basel, im Palazzo in Liestal und im Chäslager in Stans in der Schweiz mitgeschnitten und ohne Overdubs veröffentlicht.
Stilistisch ist das Trio nicht leicht einzuordnen, alle drei Musiker sperren einen weiten Rahmen auf, und das stets mit äußerster Vitalität, instrumentaler Radikalität und hingebungsvoller und geradezu dekadenter Lust auf freie Experimente. Da findet sich komplexer Rock, brummelnder Funk, lyrische New Age Phrasen, radikaler Free Jazz und die kraftvolle Härte von Metal.
Während Jean Chaine mit seinem Bass harte, nüchterne Funkfiguren spielt, harmonische, jazzige Läufe verwildert oder technisch anspruchsvoll und melodisch hinreißend artikuliert, fräst Markus Stauss mit Saxophon und Extras (Electronics oder elektronische Geräte, mit denen der Klang des Saxophons verändert wird) mal genüsslich melancholisch gedankenverloren oder radikal wild und free eine melodische bis amelodische Landschaft in die Songs. Dimthingshine währenddessen knüppelt brutal, gibt sich esoterisch verspielt oder aber durchdrungen von Jazzrhythmen. Die improvisativen Songs leben vom Einfallsreichtum des Trios. Die gemeinsamen Ausflüge ergänzen sich perfekt, mal gibt die Band sich popverliebt, wenn sie über eine holprige Funk-Landschaft radelt, dann wieder verliert sie sich in abstrakte, außergewöhnliche Melodiemuster, gibt sich den Blues ("Outputblues") oder probiert sich an der Radikalität des Free Jazz ("K1"), während andere Songs zwischen groovigem Jazz und metallischer Rhythmushärte wechseln ("Mental in a peachcan").
Mir persönlich sagen der Opener "Waste of time" wegen seiner steten Bassdrum, und das letzte Stück "K1, the ballade" wegen seiner esoterischen Note nicht besonders zu, alle anderen Stücke sind von großer Faszination. Die Band kann zwar ordentlich free musizieren, verliert aber nie den Faden, und arbeitet die freien Strukturen organisch aus.
Obwohl noch Exemplare der LP vorhanden sind, hat sich Markus Stauss entschlossen, jetzt die Musik auf CD wieder zu veröffentlichen, bevor die Computer heiß laufen.
Die CD kann ab sofort via m.stauss@bluewin.ch oder fazzulmusic.ch bestellt werden. Kosten inklusive Versand: 22.00 Schweizer Franken.

VM



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